Wirtschaft

Sonderkonjunktur dank Tests Eigener Coronabonus für Siemens Healthineers

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Corona-Tests sorgen bei Healthineers für eine kleine Sonderkonjunktur.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Siemens Healthineers hebt die Prognose erneut an. Grund ist der Boom bei Corona-Tests. Denn die werden nicht nur zahlreich nahgefragt. Sie sind für das Unternehmen auch sehr profitabel.

Die Medizintechnik-Tochter von Siemens erlebt dank des boomenden Geschäfts mit Corona-Schnelltests eine Sonderkonjunktur. Inzwischen rechnet Siemens Healthineers mit 750 Millionen Euro Mehrumsatz im laufenden Geschäftsjahr (per Ende September) durch die Tests, die das Unternehmen vor allem in Deutschland vertreibt - mehr als doppelt so viel wie bisher geplant. Allein in der ersten Jahreshälfte waren es bereits 320 Millionen Euro. Das dürfte den Umsatz zusammen mit dem wieder anziehenden Kerngeschäft auf vergleichbarer Basis um 14 bis 17 Prozent wachsen lassen. "Das ist ein schönes Geschäft. Ich wünsche mir aber, dass man das im nächsten Jahr nicht mehr braucht", sagte Siemens-Healthineers-Chef Bernd Montag mit Blick auf den Fortschritt bei den Impfungen.

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Bisher war das Unternehmen aus Erlangen für 2020/21 von einem Umsatzzuwachs um acht bis zwölf Prozent ausgegangen. Von Januar bis März stieg der Konzernumsatz währungsbereinigt um 13 Prozent auf 3,97 Milliarden Euro. Die Corona-Schnelltests sind für Siemens Healthineers auch hochprofitabel. Das operative Ergebnis der Diagnostik-Sparte, zu der das Geschäft gehört, hat sich im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt. Auch deshalb hob die Siemens-Tochter auch die Gewinnprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an: Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll auf 1,90 bis 2,05 Euro steigen - obwohl die Zahl der Aktien mit zwei insgesamt fünf Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhungen deutlich gestiegen ist. Bisher war Finanzvorstand Jochen Schmitz von 1,63 bis 1,82 Euro je Aktie ausgegangen.

Dazu soll auch die teuerste Übernahme der Siemens-Geschichte beitragen: Der US-Krebstherapie-Spezialist Varian gehört seit zwei Wochen offiziell zum Konzern. "Zusammen mit Varian machen wir einen Sprung in der Krebsversorgung und einen Sprung in unserer Bedeutung für die Gesundheitsversorgung weltweit", sagte Montag.

In den restlichen fünfeinhalb Monaten des Geschäftsjahrs 2020/21 soll Varian rund 1,2 Milliarden bis 1,4 Milliarden Euro Umsatz beisteuern, bei einer operativen Umsatzrendite (Ebit-Marge) von 12 bis 14 Prozent. Im angestammten Geschäft lag die bereinigte Ebit-Marge im zweiten Quartal bei 16,8 Prozent, das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stagnierte bei 666 Millionen Euro. 200 bis 300 Millionen Euro verschlingen die Nebenkosten der 16,4 Milliarden Dollar schweren Übernahme.

Zugleich könnte aber wieder Geld in die Kasse kommen. Denn das kleinteilige Geschäft mit Ultraschall-Geräten passt - gerade nach der Übernahme von Varian - nicht recht in die Strukturen. Röntgengeräte, Magnetresonanz- (MRT) und Computertomografen (CT) werden zumeist an Krankenhäuser oder Radiologie-Praxen verkauft, Ultraschall an praktische Ärzte. "Das tickt anders. Deshalb werden wir dem Geschäft intern noch mehr Freiheitsgrade geben, etwa im Vertrieb", sagte Montag. "Wir optimieren das Set-up der Sparte. Das hat offenbar Interessenten auf den Plan gerufen." Investmentbankern zufolge sondiert die US-Bank JP Morgan bereits einen möglichen Verkauf. Mit Ultraschallgeräten erwirtschaftet Siemens Healthineers rund eine halbe Milliarde Euro Umsatz.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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