Wirtschaft

Das große Versagen bei Bildung "Ein Armutszeugnis für die viertgrößte Volkswirtschaft"

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Seit gut einem Jahr müssen Schüler digital lernen.

(Foto: picture alliance / Pressebildagentur ULMER)

Verena Pausder ist eines der bekanntesten Gesichter der Berliner Gründerszene. Sie hat bereits mehrere Unternehmen rund ums Thema digitale Bildung aufgebaut. Über die Bildungspolitik der Regierung fällt die Vorzeigeunternehmerin ein hartes Urteil.

Seit gut einem Jahr findet in den deutschen Schulen kein regulärer Unterricht mehr statt - die Pandemie zwingt zu Schließungen und Schulstunden am Bildschirm. Genau darauf aber sind die Schulen nach Ansicht der Digital-Unternehmerin Verena Pausder immer noch nicht gut vorbereitet. Im ersten Lockdown hat Pausder eine Website ins Netz gestellt, auf der Programme, Tools und Tipps für die Bildung zuhause vorgestellt werden.

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Verena Pausder hat die Webseite homeschooling-corona.com am Anfang der Pandemie gestartet und den Hackathon #wirfürschule initiiert.

(Foto: imago images/Eventpress)

"Aber eigentlich müsste so etwas von staatlicher Seite kommen", sagt Pausder im Podcast "Die Stunde Null". Seit vergangenem Jahr habe sich nur wenig getan: "Bis heute gibt es in ganz vielen Bundesländern und für ganz viele Schulen keine Positivliste, auf der steht, welche Hardware und Software verwendet werden dürfen."

Grund seien unter anderem die langen Entscheidungswege in der deutschen Politik aber auch der Datenschutz, bei dem "wir gar nicht mehr differenzieren". Auch die Furcht davor, die Bildung zu kommerzialisieren, spiele dabei eine Rolle. "Gleichzeitig verkaufen wir seit 60 Jahren Schulbücher und Materialien in der Schule, was nichts anderes ist, nur eine analoge Form davon", sagt Pausder.

Durch das Home Schooling haben sich nach Auffassung Pausders die Unterschiede zwischen den Kindern, die Bücher und ein Klavier zuhause haben, und den anderen verstärkt. Allerdings hätten solche Unterschiede auch zuvor schon eine Rolle gespielt: "Wir haben eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Bildung und das nicht erst seit einem Jahr. Sie ist nur jetzt offensichtlich geworden", sagt Pausder. "Es ist ein Armutszeugnis für die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, dass wir kein staatliches Bildungssystem haben, in dem Kinder für die Zukunft ausgebildet werden, nicht unter die Räder kommen und Chancengerechtigkeit haben."

Pausder fordert mehr Solidarität von der Gesellschaft und mehr Autonomie für die Schulen: "Sie kennen ihre Eltern, ihr Kollegium, ihre Schülerschaft am besten. Und wir müssen ihnen nicht immer alles vorschreiben, überwachen und regeln." Um weitere konkrete Lösungen für die Zukunft der Bildung in Deutschland zu finden, veranstaltet Pausder im Juni 2021 einen Ideenwettbewerb unter dem Hashtag #wirfürschule.

Hören Sie außerdem in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Ob sie sich eine politische Karriere vorstellen kann
  • Wo sie ihren Antrieb findet
  • Was ihre Wünsche für die Zukunft Deutschlands sind

Alle Folgen finden Sie direkt bei Audio Now, Apple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de, ddi

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