Wirtschaft

VW-Tochter schließt Standorte Epidemie in Italien trifft deutsche Industrie

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Kein Durchkommen: Das öffentliche Leben und zunehmend auch die Wirtschaft im Norden Italiens sind durch den Kampf gegen das Coronavirus lahmgelegt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Norden Italiens lähmt die Virus-Epidemie die Wirtschaft. Das hat Auswirkungen auf deutsche Unternehmen, deren Lieferketten eng mit der Region verflochten sind. Die Industrie, die ohnehin in einer tiefen Rezession steckt, muss einen weiteren heftigen Schlag verkraften.

Das Zentrum der italienischen Wirtschaft stürzt in eine Krise und droht die deutsche Industrie mitzureißen. Der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, warnt davor, die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf die deutsche Wirtschaft zu unterschätzen. Die rasche Ausbreitung des Erregers in Norditalien und die drastischen Maßnahmen dagegen, wie die Abriegelung ganzer Ortschaften, werde auch in Deutschland zu spüren sein.

"Die Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur dürfen nicht unterschätzt werden", sagt der DIHK-Außenwirtschaftschef. "Schließlich ist Italien mit einem Handelsvolumen von über 125 Milliarden Euro der fünftwichtigste Handelspartner Deutschlands, und täglich gehen insbesondere unverzichtbare industrielle Vorleistungsprodukte in beide Richtungen über die Alpen." Allein daran zeige sich, "dass das Coronavirus erhebliche Ausstrahlung auf den Welthandel zu entwickeln beginnt".

Direkt betroffen ist bereits der VW-Konzern. Ein Mitarbeiter der Turiner Tochter Italdesign wurde positiv auf den Erreger Sars-CoV2 getestet. Das Unternehmen schloss daraufhin seine beiden Standorte mit zusammen rund 1000 Beschäftigten. Andere Unternehmen müssen auf Mitarbeiter verzichten, die von Reisebeschränkungen betroffen sind, oder leiden unter Unterbrechungen in ihren Lieferketten. Viele deutsche Firmen haben alle Dienstreisen zu ihren italienischen Standorten abgesagt. Viele Büros in den Industriemetropolen Mailand und Turin sind wie ausgestorben. Die Mitarbeiter sollen, wenn möglich im Homeoffice arbeiten.

Handelsvolumen so groß wie das mit Japan

Die Lombardei, die in Italien am stärksten von der Epidemie betroffen ist, ist nicht nur die wirtschaftlich stärkste Region Italien und stellt etwa ein Fünftel der Wirtschaftskraft. Sie ist auch besonders eng mit der deutschen Industrie verflochten. Rund 1500 deutsche Unternehmen haben hier Niederlassungen. Das Handelsvolumen Deutschlands mit der Lombardei ist fast so groß wie das mit Japan. Vor allem Autozulieferer, Elektro- und Chemiebetriebe in der norditalienischen Industrieregion sind sowohl wichtige Kunden als auch mit ihren Produkten Teil der Lieferkette deutscher Unternehmen. 

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt, die Corona-Epidemie werde die Industrie, die ohnehin seit dem vergangenen Jahr tief in der Rezession steckt, treffen. "Bisher ist der Corona-Effekt aber unklar und nicht zu beziffern", sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. "Fest steht nur: Die exportabhängige deutsche Industrie wäre bei einer anhaltenden weltweiten Ausbreitung des Virus besonders betroffen - etwa, wenn es zu Lieferengpässen bei aus China bezogenen Vorleistungsprodukten kommt."

Auch unabhängig vom Corona-Virus dürfte das laufende Quartal laut der jüngsten DIW-Konjunkturprognosezum Beispiel im Maschinenbau und in der Automobilbranche wohl noch schwächer ausfallen als bislang vermutet. Damit wird die Industrie in der Rezession verbleiben. Insgesamt dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 laut den Berechnungen um ein knappes zehntel Prozentpunkt gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr zulegen. Während die exportabhängige Industrie in der Krise steckt, hält derzeit noch der Konsum die deutsche Konjunktur am Laufen. Allerdings könnte eine weitere Ausbreitung des Virus in Deutschland auch diese Stütze der Wirtschaft schwächen.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/rts