Wirtschaft

Betrugsskandal um P&R Ermittler klagen Firmengründer Roth an

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Knapp zwei Drittel der angeblich vermieteten 1,6 Millionen Container existierten gar nicht.

(Foto: imago/Westend61)

Mehr als 50.000 Kunden investieren in Container, die es zum Großteil gar nicht gibt. Nach Auffliegen des Skandals um die Firma P&R muss sich der Firmengründer nun vor Gericht verantworten. Dabei geht es zunächst nur um einen Bruchteil der Anlagesumme.

Nach dem Milliardenbetrug bei der insolventen Containerfirma P&R hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage gegen Firmengründer Heinz Roth erhoben. Dem 75 Jahre alten Manager werden 414 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs mit einem Schaden von knapp 18 Millionen Euro vorgeworfen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst sagte. Es sei nur ein kleiner Teil der "gigantisch großen Anlagesumme" von 3,5 Milliarden Euro berücksichtigt worden.

Roth ist die Schlüsselfigur in einem der größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Gesamtschaden steht noch nicht fest, übertrifft die jetzt angeklagten Fälle aber bei weitem. Zum Zeitpunkt der Pleite im März 2018 hatten etwa 54 000 Anleger Geld bei P&R angelegt.

Chefermittler Kornprobst begründete die Beschränkung auf 414 Fälle mit der Komplexität der Ermittlungen und der gebotenen Eile - Roth sitzt seit vergangenem Jahr in Untersuchungshaft. Von den verkauften 1,6 Millionen Containern existierten laut Ermittlungen aber nur etwa 617 000. Insolvenzverwalter Michael Jaffé hofft, mit der Verwertung dieser Container noch gut eine halbe Milliarde Euro erlösen zu können.

Noch größer als Flowtex-Skandal?

P&R könnte damit sogar den Flowtex-Skandal der 90er Jahre übertreffen, den bisher größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Flowtex-Boss Manfred S. - genannt "Big Manni" - und seine Komplizen hatten über 3000 nicht vorhandene Spezialbohrmaschinen für unterirdische Bauarbeiten verkauft und damit über zwei Milliarden Euro erschwindelt.

Viele der geprellten P&R-Kunden sind Rentner und Pensionäre, die ihre Altersvorsorge aufbessern wollten. Laut Insolvenzverwalter ist fast ein Drittel der Anleger über 70 Jahre alt. P&R vermietete die Container an Frachtunternehmen, damit sollte die Rendite für die Anleger finanziert werden. Außerdem bot P&R den Anlegern den Rückkauf nach fünf Jahren an.

Doch nach den Ermittlungen handelte es sich um eine Milliarden-Luftnummer. Das Geschäftsmodell funktionierte über Jahre, weil P&R mit dem Geld immer neuer Kunden die Renditen der Altanleger zahlte. Roth hat sich nach Worten Kornprobsts zu den Vorwürfen geäußert: "Er hat Angaben gemacht. Das heißt nicht, dass er alles zugegeben hätte."

Irgendetwas konnte nicht stimmen

Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei P&R gab es seit Jahren: Die Unstimmigkeit im P&R-Geschäftsmodell bestand unter anderem darin, dass P&R weit mehr Geld an die Anleger auszahlte, als die Containervermietung einbrachte. Die "Stiftung Warentest" hatte das im Juni 2017 publik gemacht, Zweifel und Diskussionen in der Fachwelt gab es schon Jahre vorher. Von Anlegern gibt es daher Kritik an der Finanzaufsicht Bafin, weil die mutmaßlichen Betrügereien über ein Jahrzehnt unentdeckt blieben.

Roth selbst bezifferte sein Privatvermögen laut einem Gutachten der P&R-Insolvenzverwalter auf 10 bis 13 Millionen Euro. Der Firmengründer hat jedoch die Kontrolle über sein Vermögen verloren, seit Dezember haben darauf nur noch die Insolvenzverwalter Zugriff. Jaffé peilt die ersten Zahlungen an die Gläubiger für das Jahr 2020 an.

Quelle: ntv.de, kst/dpa