Wirtschaft

Nach Mord an Khashoggi Etliche Redner boykottieren "Wüsten-Davos"

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Immer mehr Referenten sagen ihre Teilnahme an der Wirtschaftskonferenz in Riad ab.

(Foto: REUTERS)

Nach dem Mord an dem Journalisten Khashoggi sagen immer mehr Referenten ihre Teilnahme an der Konferenz "The Future Investment Initiative" in Saudi-Arabien ab. Darunter sind viele Unternehmen, Minister und Medien.

Immer mehr Politiker und Unternehmer sagen nach der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi ihre Teilnahme an einer Wirtschaftskonferenz in Saudi-Arabien ab. An der Konferenz "The Future Investment Initiative" (FII), die am Dienstag in Riad beginnt, nehmen nur noch rund 120 Referenten und Moderatoren teil, wie die Veranstalter mitteilten. Am vergangenen Montag hatten noch mehr als 150 Redner auf der Liste gestanden.

Als Reaktion auf die Khashoggi-Affäre hatte es in den vergangenen Tagen bereits Dutzende Absagen gegeben: Neben US-Finanzminister Steven Mnuchin und der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sagten unter anderem der US-Autobauer Ford, die US-Bank JP Morgan und der Fahrdienstvermittler Uber ihre Teilnahme an der "Wüsten-Davos" genannten Konferenz ab.

Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg, der US-Fernsehsender CNN und die Zeitung "Financial Times" bleiben dem Treffen fern, bei dem es um Investitionen in Saudi-Arabien geht. Am Samstag kündigte Australien an, keine Vertreter zu der Konferenz zu schicken. Eine Teilnahme sei "nicht länger angemessen".

Derweil wächst der Druck auf den Siemens-Chef Joe Kaeser, seine Teilnahme an der Konferenz ebenfalls abzusagen. SPD-Chefin Andrea Nahles sagte im Gespräch mit der "Bild am Sonntag": Sie hoffe, dass Joe Kaeser seine Teilnahme nochmal überdenken werde. Aus der CDU forderte Außenpolitiker Norbert Röttgen, hochrangige Wirtschaftsführer sollten auf ihre Teilnahme verzichten. "Das gilt aus meiner Sicht beispielsweise für den CEO von Siemens, der ja zugesagt hat", sagte er. Der Deutschland-Geschäftsführer der Organisation "Reporter ohne Grenzen", Christian Mihr, sagte den Zeitungen der Funke-Gruppe, Kaeser müsse absagen, wolle er "das saudische Regime nicht in seinem mörderischen Vorgehen bestärken". Ein Siemens-Sprecher teilte zuletzt mit, Kaeser habe sich noch nicht entschieden.

Saudi-Arabien hatte unter massivem internationalen Druck zugegeben, dass der vermisste Khashoggi Anfang Oktober im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet wurde. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Riad führte eine "Schlägerei" im Konsulat zum Tod des Journalisten. Weltweit reagierten Regierungen und Diplomaten jedoch skeptisch auf die saudi-arabische Darstellung und forderten weitere Untersuchungen.

Quelle: n-tv.de, kpi/rts/AFP

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