Wirtschaft

Maue Konjunkturprognose der EU Euro-Länder erwartet "große Unsicherheit"

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Container warten in Europas größtem Hafen, Rotterdam.

(Foto: REUTERS)

Nach Jahren des Aufschwungs muss sich die Euro-Zone auf nur noch geringes Wirtschaftswachstum einstellen. Die EU-Kommission sieht auch Deutschland von der lahmenden Weltkonjunktur betroffen. Richtig Sorgen macht den Experten in Brüssel dabei vor allem ein Land.

Im Sog der schwächeren Weltwirtschaft trüben sich die Konjunkturaussichten auch in der Euro-Zone laut EU-Kommission deutlich ein. "Nach sechs Jahren robusten Wachstums haben wir jetzt ein gemäßigtes Wachstum, das bezeichnend sein wird für die nächste Zeit", sagte der scheidende EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici bei der Vorstellung der Herbstprognose. Europa sehe sich mit "einer Phase großer Unsicherheit konfrontiert".

Dazu trügen die ungelösten Zollkonflikte und der Brexit bei. Die EU bereite sich zwar nicht auf ein Rezessions-Szenario vor. Doch sei die Wirtschaft in einer "Plateau-Phase" angelangt. Das Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 19 Länder der Währungsunion dürfte demnach 2019 nur noch bei 1,1 Prozent liegen und in den Folgejahren nur einen Tick höher ausfallen. 2018 war noch ein Zuwachs von 1,9 und 2017 sogar von 2,5 Prozent herausgesprungen.

Frankreich und Spanien dynamischer als Deutschland

Euro Stoxx 50
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Auch die von der mauen Weltkonjunktur besonders hart getroffene Wirtschaft des Export-Europameisters Deutschland muss sich laut Moscovici auf deutlich niedrigere Wachstumszahlen einstellen. Das BIP dürfte im kommenden und übernächsten Jahr nur noch um 1,0 Prozent steigen. 2019 soll demnach nur ein mageres Plus von 0,4 Prozent herausspringen - nach einem Plus von 1,5 und 2,5 Prozent in den Jahren 2018 beziehungsweise 2017.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagte dazu in Brüssel: "Deutschland ist in einer stabilen wirtschaftlichen Situation." Das Land sei wettbewerbsfähig und exportstark, spüre aber den Handelsstreit. Sollte dieser gelöst werden, würde dies Deutschland sofort helfen. Er rechne mit mehr Wachstum in den nächsten Jahren.

Dennoch dürfte sich die Wirtschaft hierzulande in Sachen Wachstumskraft über Jahre hinaus hinter dem Nachbarn Frankreich einordnen, wenn sich die Prognose der EU-Kommission als treffsicher herausstellen sollte: Der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone hinter Deutschland sagt die EU-Kommission für die kommenden beiden Jahre ein Plus beim BIP von 1,3 beziehungsweise 1,2 Prozent voraus. Noch besser stehen die Aussichten demnach für Spanien, dessen Wirtschaft laut Brüsseler Prognose mit 1,5 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent in den beiden kommenden Jahren weiterhin überdurchschnittlich zulegen wird.

Sorgenkind Italien

Schlusslicht unter den 19 Staaten in Sachen Wachstumsdynamik ist laut Einschätzung der Kommission Italien, das dieses Jahr ein denkbar kleines BIP-Plus von 0,1 Prozent aufweisen und auch in den kommenden Jahren nur relativ niedrige Wachstumsraten von 0,4 beziehungsweise 0,7 Prozent erreichen werde.

Moscovici mahnte das Land auch mit Blick auf seine hohe Staatsverschuldung, es müsse in Sachen Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität besser werden: "Die Reformen müssen durchgezogen werden. Man kann nicht unendlich weitermachen wie bisher."

Mit einem Augenzwinkern verwies der Franzose darauf, dass man zum Thema auch von seinem Nachfolger noch viel hören werde, der das Land "übrigens sehr gut" kenne. Moscovici wird im Amt des Wirtschafts- und Währungskommissars in der kommenden EU-Kommission vom früheren italienischen Regierungschef Paolo Gentiloni abgelöst.

Quelle: n-tv.de, shu/rts

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