Wirtschaft

Zukäufe nur noch zur Abrundung Evonik beendet die Großwildjagd

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(Foto: dpa)

Nach großen Zukäufen will Evonik nun die Kosten in den Blick nehmen. Diese legten zuletzt stärker zu als der Umsatz und knabberten am Gewinn.

Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik will nach seiner Einkaufstour durch einen Umbau und Einsparungen profitabler werden. Die Zeit großer Übernahmen sei vorüber, machte Vorstandschef Christian Kullmann deutlich: "Es ist jetzt nicht mehr die Großwildjagd." Vielmehr setze Evonik nun auf "Niederwild", also Zukäufe, die das Geschäft abrundeten. Evonik zuletzt für 630 Millionen Dollar das Silica-Geschäft der US-Firma JM Huber übernommen und zuvor eine Sparte des US-Konzerns Air Products für rund 3,8 Milliarden Dollar gekauft.

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Kullmann will das Kerngeschäft Spezialchemie stärken und dort investieren. Für andere Bereiche bedeutet das weniger Mittel. So stellt er das Methacrylat-Geschäft mit einem Umsatz von etwa 1,5 Milliarden Euro zur Disposition. Partnerschaften oder ein Verkauf würden hier geprüft. Evonik produziert in dem Geschäft mit rund 3700 Mitarbeitern - den Großteil davon in Deutschland - unter anderem Plexiglas und Autolacke.

Zudem tritt Kullmann weiter auf die Kostenbremse - bis 2021 um dauerhaft 200 Millionen Euro. Ein Drittel sollen aus dem Vertrieb kommen, zwei Drittel aus der Verwaltung. Wie viele Stellen dabei wegfallen werden, will Evonik spätestens bis Juni entscheiden, sagte Kullmann. Betriebsbedingte Kündigungen sind dabei ausgeschlossen. Ein Einstellungsstopp ist aber bereits verhängt.

"Ein gutes Stück von Der Spitze entfernt"

Der Evonik-Chef war im vergangenen Mai mit dem Ziel angetreten, Evonik zum "besten Spezialchemie-Konzern der Welt" zu formen. "Aber von der Spitze unserer Industrie sind wir noch ein gutes Stück entfernt", räumte er nun ein. Die Kosten für Verwaltung und Vertrieb seien in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als der Umsatz.

Insgesamt konnte Evonik im vergangenen Jahr durch die Zukäufe den Umsatz in die Höhe schrauben, auch das operative Ergebnis legte zu. Das bereinigte Ebitda stieg 2017 auf 2,36 Milliarden Euro, die Erlöse kletterten auf 14,4 Milliarden Euro. Beim Konzerngewinn machten sich die Kosten bemerkbar, er schrumpfte auf 717 Millionen Euro. Die Anteilseigner rund um die RAG-Stiftung sollen eine unveränderte Dividende von 1,15 Euro je Aktie erhalten.

Größter Einzelaktionär ist mit rund 68 Prozent der Anteile die 2007 gegründete RAG-Stiftung, die für die Folgekosten des auslaufenden Steinkohle-Bergbaus in Deutschland aufkommen soll. Stiftungschef Werner Müller, der Evonik mit geformt hatte und dem Evonik-Aufsichtsrat vorsitzt, scheidet aus gesundheitlichen Gründen im Mai aus. Als Nachfolger ist Bernd Tönjes nominiert. Tönjes stehe für "Stabilität und Kontinuität", machte Kullmann deutlich.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ

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