Wirtschaft

Rolle rückwärts bei Partnerwahl?Ex-Airbus-Chef warnt vor Alleingang bei neuem Kampfjet

23.02.2026, 08:28 Uhr
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Ein Modell des FCAS bei der "Paris Air Show" (Foto: picture alliance / Visually)

Dem deutsch-französischen "Future Combat Air System" droht das Aus. Die Wirtschaft fordert deshalb ein eigenes deutsches Kampfflugzeug. Branchenkenner Tom Enders empfiehlt stattdessen, die Milliarden in eine andere Technik zu stecken.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und frühere Vorstandschef von Airbus und EADS, Tom Enders, hat vor der Entwicklung eines eigenen deutschen Kampfflugzeugs gewarnt. "Es droht eine gigantische Fehlallokation von Ressourcen", schreibt Enders in einem Gastbeitrag für das RedaktionsNetzwerk Deutschland. Enders reagiert damit auf entsprechende Forderungen des Bundesverbands der deutschen Luftfahrtindustrie und der IG Metall. Der Airbus-Konzern erklärte vergangene Woche bereits seine Bereitschaft, einen eigenen Kampfjet zu entwickeln.

Die Debatte hat in den vergangenen Tagen an Intensität gewonnen, weil dem deutsch-französisch-spanischen Luftkampfprojekt "Future Combat Air System" (kurz: FCAS) das Scheitern droht. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte das 100-Milliarden-Euro-Projekt am Mittwoch erstmals offen infrage und verwies auf die unterschiedlichen Anforderungen an einen Kampfjet der neuen Generation in Frankreich und Deutschland. Während Frankreich einen Kampfjet braucht, der auf einem Flugzeugträger landen und Atomwaffen transportieren kann, benötigt die deutsche Luftwaffe eher ein schnelles Jagdflugzeug.

Airbus vertritt bei dem Rüstungsvorhaben Deutschland und Spanien, während das Unternehmen Dassault die französische Seite repräsentiert. Dassault beansprucht eine größere Führungsrolle, was zu einem Ungleichgewicht zwischen den Partnern führt und das Projekt seit Monaten verzögert.

"Bemannte 'Kampffliegerei' bald nur noch Randrolle"

Enders schreibt nun: "Die Entscheidung der Bundesregierung von 2017, die nächste Generation nicht mit London, sondern mit Paris zu entwickeln, war vor allem durch die politische Enttäuschung über den Brexit motiviert. Rückblickend war das ein strategischer Fehler." Deutschland sei nicht auf Frankreich und Spanien angewiesen. "Deutschland kann sich an der Entwicklung der nächsten - womöglich letzten - Generation bemannter Kampfflugzeuge beteiligen", führt Enders aus. Dafür böten sich jedoch vor allem die Briten mit ihrem internationalen GCAP-Programm oder Saab aus Schweden als Partner an.

Die eigene finanzielle Kraft solle Deutschland allerdings auf die Entwicklung von Drohnen legen, schreibt Enders, der auch Mitglied im Verwaltungsrat des deutschen Herstellers Helsing ist. "Die Zukunft der Luftkriegsführung liegt nicht in immer komplexeren, bemannten High-End-Plattformen mit zwanzigjährigen Entwicklungszeiten. Sie liegt in hochintelligenten autonomen Drohnen-Systemen, bei denen Software, KI-Fähigkeit und kostengünstige Massenproduktion wichtiger sind als Cockpit-Design oder aerodynamische Perfektion. (…) Hier, bei den unbemannten Kampfflugzeugen, könnte Deutschland mit seinen breiten industriellen und technologischen Fähigkeiten eine Führungsposition in Europa erringen." Bemannte "Kampffliegerei" werde in zwanzig Jahren "nur noch eine Randrolle spielen".

Quelle: ntv.de, chl/AFP

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