Wirtschaft

Berateraffäre bei der Bahn Ex-Vorstand gerät in Fokus der Ermittlungen

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Wer hat die hoch dotierten und vom Vorstand nicht gebilligten Verträge unterschrieben?

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Untersuchungen um die bei der Deutschen Bahn verdeckt geschlossenen teuren Beraterverträge bringen neue Details ans Licht - und werfen weitere Fragen auf. Ein Ex-Vorstand hat offenbar besonders viel kassiert.

Die Deutsche Bahn hat nach Informationen der "Bild am Sonntag" erste Konsequenzen aus der Affäre um Beraterverträge gezogen. Wie die Zeitung berichtete, werden ehemalige Vorstände ab sofort nicht mehr als Berater gegen Honorar für den Staatskonzern arbeiten, wenn es dazu keine Genehmigung vom Aufsichtsrat gibt. Bei der Affäre geht es um üppige Verträge mit früheren Führungsmitgliedern.

Die Bahn hatte am Donnerstag selbst mitgeteilt, Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Beraterverträgen im Unternehmen zu untersuchen. Davon seien auch ehemalige Konzernvorstände betroffen, hieß es. Die Informationen zu den Auffälligkeiten stammen demnach aus internen Untersuchungen, es geht um den Zeitraum von 2010 bis 2018. Zu klären sei unter anderem, wer die Verträge unterschrieben habe und wie viel etwa Bahnchef Richard Lutz davon wusste.

Der "Bild am Sonntag" zufolge rückt das frühere Vorstandsmitglied Ulrich Homburg nun ins Zentrum der Ermittlungen. Der 63-Jährige soll nach ersten Prüfungen der Innenrevision von 2015 bis Ende 2018 über 370.000 Euro für Beratungen der DB-Tochter Regio bekommen haben. Zudem soll Homburg die Bahn als "Headhunter" bei der Suche nach einem oder mehreren Top-Managern beraten haben. Dafür kassierte er nach Informationen der Zeitung 2017 mindestens 150.000 Euro. Homburg sei 2015 mit einer Abfindung von drei Millionen Euro verabschiedet worden.

"Ausgaben kritisch hinterfragen"

Wie die Zeitung weiter berichtete, hob der Bahn-Vorstand außerdem trotz hoher Schulden den 2018 verhängten Ausgaben-Stopp wieder auf. Einem internen Schreiben an die Führungskräfte der Bahn zufolge soll die so genannte zentrale Ausgabensteuerung zum 30. Juni beendet werden. Zur Begründung heißt es laut "BamS" in dem Papier, dass die Bahn mit ihrem Ergebnis 2018 leicht über der angepassten Prognose gelegen habe und so ein "wesentliches Etappenziel erreicht" habe. Außerdem seien zusätzliche Einsparungen in Höhe von 120 Millionen Euro vereinbart worden.

Mit dem Ausgaben-Stopp, der für Bestellungen ab einer bestimmten Summe eine Sondergenehmigung vorsah, sollte der Schuldenberg von damals rund 20 Milliarden Euro nicht weiter erhöht werden. Ende Mai war dann bekannt geworden, dass der Konzern mit Schulden in Höhe von fast 25 Milliarden Euro rechnet. "Kostenfokus, kritisches Hinterfragen von Ausgaben und sparsames Agieren bleiben auch weiterhin das Gebot der Stunde", heißt es deshalb der Zeitung zufolge in dem Papier.

Quelle: n-tv.de, fhe/AFP

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