Wirtschaft

"Schonungslose Aufklärung" Externe Ermittler prüfen DB-Beraterverträge

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Die fraglichen Verträge fallen größtenteils in die Amtszeit des früheren Bahnchefs Rüdiger Grube und seines Finanzvorstands Richard Lutz.

(Foto: dpa)

Die Bahn hat rund 20 Milliarden Euro Schulden und hofft auf finanzielle Unterstützung durch den Bund. Fragwürdige Beraterverträge mit ehemaligen Managern und Vorständen lassen die Finanzplanung allerdings in einem schlechten Licht erscheinen. Externe Ermittler sollen die Sache nun aufklären.

Die Deutsche Bahn hat möglicherweise mit mehr Ex-Vorständen fragwürdige Beraterverträge geschlossen als bisher bekannt. Insgesamt würden Verträge mit 26 ehemaligen Beratern überprüft, darunter drei frühere Konzernvorstände, teilte das Unternehmen nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats mit. "Wir setzen alle Kraft in die Aufklärung", versicherte Aufsichtsratschef Michael Odenwald. "Beraterverträge von ehemaligen Vorständen und Geschäftsführern am Aufsichtsrat vorbei darf es zukünftig nicht mehr geben", kündigte Odenwald an. Fortan brauche das Management dafür die ausdrückliche Genehmigung des Kontrollgremiums.

Die Bahn hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass sie fragwürdige Beraterverträge untersucht. In Aufsichtsratskreisen war zunächst von Verträgen mit etwa 20 Ex-Managern die Rede, im Kern gehe es jedoch um ein ehemaliges Vorstandsmitglied. Das Kontrollgremium setzt die Frankfurter Anwaltskanzlei Noerr und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY als externe Ermittler ein.

Der internen Revision waren die Verträge mit ehemaligen Managern aufgefallen. So soll ein früheres Vorstandsmitglied nach einer Abfindung in Millionenhöhe noch Hunderttausende Euro als Beratungshonorar erhalten haben. Bei anderen früheren Führungskräften geht es um vier- und fünfstellige Honorare. Untersucht wird jeweils, ob die Manager eine angemessen Gegenleistung erbracht haben. Namen nannte das Unternehmen nicht.

"Interne Kontrollen in bedenklichem Zustand"

Die fraglichen Verträge stammen aus den Jahren 2010 bis 2018. Sie fallen damit größtenteils in die Amtszeit des früheren Bahnchefs Rüdiger Grube und seines Finanzvorstands Richard Lutz. Lutz übernahm nach Grubes Rücktritt Anfang 2017 die Führung des bundeseigenen Konzerns.

"Die Vorgänge um die Beraterverträge werfen ein bedenkliches Licht auf den Zustand und die internen Kontrollen bei der DB", teilte der Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Verkehrsausschuss, Torsten Herbst, mit. "Die damalige Rolle von Vorstandschef Lutz muss jetzt schonungslos aufgeklärt werden. Er muss offen legen, wie unter seiner Verantwortung als Finanz-Vorstand Millionenbeträge am Aufsichtsrat vorbei geflossen sind."

Die Bahn hat rund 20 Milliarden Euro Schulden und verhandelt derzeit mit dem Bund über weitere Unterstützung. Die Beraterverträge weckten bei Verkehrspolitikern der Opposition Zweifel daran, dass Bahnchef Lutz und Verkehrsminister Andreas Scheuer das Unternehmen im Griff haben. Der Aufsichtsrat versicherte, die Aufklärung laufe auf Hochtouren, schonungslos und unabhängig vom Ansehen der Person. Das Thema Beraterverträge dürfte den Bahn-Aufsichtsrat auch bei seiner nächsten regulären Sitzung am 19. Juni beschäftigen.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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