Wirtschaft

Gefahr für E-Commerce Facebook erwägt wohl eigene Kryptowährung

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Offiziell ist es zwar noch nicht, aber Facebook soll an einem eigenen Bezahlsystem arbeiten, das auf Kryptowährungen basiert.

(Foto: REUTERS)

Facebook hatte zuletzt zwar ein Datenschutzproblem, das hält den Konzern aber offenbar nicht davon ab, ein eigenes Bezahlsystem zu entwickeln. Der Plan: Nutzer sollen sich künftig gegenseitig digitale Münzen schicken und damit im Netz einkaufen können.

Facebook will sein gigantisches soziales Netz zum Aufbau eines Zahlungssystems nutzen, das auf Kryptowährungen basiert. Dafür rekrutiere das Unternehmen zurzeit Dutzende von Finanzunternehmen und Online-Händler, sagten informierte Personen. Sollte die Facebook Inc damit erfolgreich sein, könnte das den traditionellen, lukrativen E-Commerce bedrohen und sich wahrscheinlich zur am weitesten verbreiteten Anwendung für Kryptowährungen entwickeln.

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Im Mittelpunkt der seit mehr als einem Jahr laufenden Initiative mit dem Codenamen Project Libra steht eine digitale Münze, die sich Nutzer gegenseitig schicken und mit der sie sowohl auf Facebook als auch über das Internet einkaufen können, sagten informierte Personen.

Die Hürden für das Projekt sind jedoch hoch. Kryptowährungen haben sich bisher nicht als Zahlungsmittel durchgesetzt. Und angesichts des ramponierten Rufs von Facebook bei Nutzern, Investoren und Aufsichtsbehörden ist der Zeitpunkt für einen solchen Vorstoß heikel. Der Konzern steht mächtig unter Druck von allen Seiten, seine Datenschutzprobleme zu beheben. Für das Projekt spricht allerdings, dass ein Drittel aller Menschen weltweit sich monatlich bei Facebook einloggt.

Keine offizielle Bestätigung

Eine Sprecherin von Facebook für das Thema Blockchain wollte sich nicht zu den Informationen äußern. Sie verwies auf eine frühere Aussage, dass das Unternehmen "viele verschiedene Anwendungen erforscht".

Um insgesamt rund eine Milliarde Dollar an Investitionen einzusammeln, habe Facebook mit Finanzinstituten wie Visa, Mastercard und dem Zahlungsdienstleister First Data gesprochen, sagten die Informanten. Die Investitionen würden den Wert der Münze stützen, um sie vor den wilden Preisschwankungen zu schützen, die bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen zu sehen sind und ihren Nutzen als Zahlungsmittel beeinträchtigen.

Facebook spreche auch mit E-Commerce-Unternehmen und App-Anbietern darüber, ob diese die Münze als Zahlungsmittel akzeptieren würden. Das Unternehmen werbe bei diesen Partnern auch um kleinere Investitionen, sagte eine der Personen. Die Schaffung einer sogenannten stabilen Münze, die von einer harten Landeswährung gestützt wird, würde diese besser als legitime Zahlungsmethode positionieren und nicht als spekulative Wette.

Facebook folgt Apple und Amazon

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete im Dezember, dass Facebook an einer digitalen Münze arbeitete, mit der die Nutzer des Nachrichtendienstes Whatsapp Geld überweisen könnten, wobei der Schwerpunkt auf Auslandsüberweisungen liege. Die "New York Times" berichtete im Februar, dass das Unternehmen versuche, bis zu eine Milliarde Dollar für das Projekt zu sammeln.

Facebook folgt mit den Plänen dem Beispiel von Techkonzernen wie Apple und Amazon, die beide im vergangenen Jahr Finanzprodukte erforscht oder auf den Markt gebracht haben, um an Finanztransaktionen ihrer Nutzer zu partizipieren. Beide haben sich dabei mit traditionellen Finanzunternehmen zusammengetan, um die logistischen und regulatorischen Herausforderungen zu bewältigen.

Wenn der Vorstoß von Facebook gelingt, gefährdet das Projekt die Dominanz der Kartennetze über den globalen Zahlungsverkehr. Facebook hat täglich mehr als 1,5 Milliarden Nutzer, viele von ihnen in Entwicklungsländern, wo Social-Media-Seiten das Rückgrat des Internet-Handels bilden. Zudem wären auch die Gebühren für Händler deutlich niedrigere als etwa bei Kreditkarten.

Quelle: n-tv.de, kpi/DJ

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