Wirtschaft

Eine Million Konten gelöscht Facebooks Kampf gegen illegale Inhalte

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(Foto: picture alliance/dpa)

Propaganda-Kampagnen und Manipulationsversuche sind ein Problem für soziale Netzwerke. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz gibt Facebook-Chef Zuckerberg einen Einblick, wie sein Unternehmen dagegen vorgeht. Der 35-Jährige setzt seine Hoffnungen vor allem auf künstliche Intelligenz.

"Ich hab die Firma in meinem Studentenwohnheim gegründet ...", sagt der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Vor zehn Jahren hätte es im Publikum womöglich noch ein paar nett gemeinte Lacher gegeben. Doch die unschuldigen Zeiten für Facebook sind vorbei. Man habe aus den Einmischungen und Desinformationskampagnen bei den US-Wahlen 2016 gelernt, sagt Zuckerberg. Trotzdem beharrt der 35-Jährige auf seinem Mantra: Für ihn ist Facebook immer noch das Netzwerk, das die Menschen nutzen, um Gutes zu tun - um sich zu verbinden und zu vernetzen.

Wie besorgt müssen wir bezüglich Einmischungen bei Wahlen sein?, fragt Wolfgang Ischinger zum Auftakt der Podiumsdiskussion auf der Münchner Sicherheitskonferenz. "Es gibt sicherlich eine Vielzahl an Bedrohungen", antwortet Zuckerberg, indem er sich in gewohnter Manier in Richtung Publikum dreht. Und räumt dabei ein: "Wir und alle anderen Internet-Firmen haben nur langsam die Informationsarbeit verstanden, die im Gange war von Russland und anderen." Ein für Zuckerberg relativ deutlicher Satz.

Mittlerweile habe man künstliche Intelligenz entwickelt, die eine Vielzahl an Fake-Accounts entdecken und entfernen könne. Allein im vergangenen Jahr habe man 50 koordinierte Informationskampagnen entdeckt und entfernt. "In der letzten Woche eine aus Russland, die auf die Ukraine abgezielt war. Oder eine aus dem Iran, die die die USA im Visier hatte. Wir sind immer besser geworden", erklärt Zuckerberg. Insgesamt löschte Facebook zuletzt etwa eine Million dieser falschen Identitäten. "Der Großteil davon innerhalb von Minuten, nachdem sie angemeldet wurden", sagt Zuckerberg.

Tausende Mitarbeiter für die Sicherheit

Interessant ist, dass der Facebook-Chef offen ausspricht, dass Einmischungen in Wahlen nicht nur aus dem Ausland gekommen sind, sondern auch aus dem Inland, also den USA. Die entsprechenden Personen würden immer besser darin werden, ihre Spuren zu verwischen. Dass der Konzern das Thema durchaus ernst nimmt, zeigt ein Rückblick ins Jahr 2012: "Wir haben mittlerweile 35.000 Mitarbeiter bei Facebook, die sich um Content und Security Review kümmern." Außerdem sei das Budget für Sicherheit und Bedrohungen heute größer als alle Einnahmen, "als wir 2012 an die Börse gegangen sind. Und wir waren nicht klein: eine Milliarde Menschen haben unsere Dienste damals genutzt", so Zuckerberg weiter.

Es sei ein langjähriger Prozess gewesen. "Wir müssen so viele Kategorien an illegalem Content beobachten. Dazu gehören auch Terrorpropaganda oder Gewalt gegen Kinder." Insgesamt seien es etwa 20 Kategorien, die es im Auge zu behalten gelte. Man veröffentliche alle sechs Monate einen Transparenzbericht, der zeige, wie viele illegale Inhalte die künstliche Intelligenz finde und entferne, bevor es die User überhaupt merke. "99 Prozent der Terrorpropaganda vom IS oder Al Qaida wird von KI entfernt, bevor irgendein Nutzer es zu Gesicht bekommt." Hassrede sei da wiederum viel schwerer, da man die künstliche Intelligenz entsprechend trainieren müsse, um die wirklich kleinen Nuancen zu erkennen.

Facebook nicht vergleichbar mit Zeitungen

Eher blass bleibt Zuckerberg beim Thema Filterblasen und Polarisierung im Internet. Also auch um die Frage, ob jeder bei Facebook in seiner eigenen Welt lebe, weil ihm oder ihr nur noch die Dinge angezeigt werden, die er ohnehin schon gut findet. Zuckerberg nennt es schlicht ein menschliches Problem. Die Leute würden eben nicht so gerne auf Inhalte klicken, die nicht ihre Meinung widerspiegelten.

Ischinger stellt auch die Frage, welche Regulierung gut für die Gesellschaft und das Internet sei. Es müsse Regulierung in mindestens vier Bereichen geben, antwortet Zuckerberg darauf. Darunter Wahlen, politischer Diskurs und Privatsphäre. Es sei oftmals ein feiner Grat: "Was ist der Unterschied zwischen politischem Diskurs und Einmischung?" Und weiter: "Unsere Verantwortung ist es, die Regulierung im Netz umzusetzen." Es müsse hier auch viel mehr von den Staaten kommen.

Ebenfalls interessant: Eine Frage von einem Journalisten der "New York Times", warum Facebook nicht mehr für den Inhalt verantwortlich gemacht werde. Denn das würden Zeitungen ja schließlich auch. Hier widersprach Zuckerberg vehement: "Der Vergleich ist ganz klar falsch, denn es gibt hunderte Milliarden an Inhalte, die durch unsere Dienste fließen." Das sei bei Zeitungen deutlich weniger. Trotzdem müsse man regulieren. "Wenn künstliche Intelligenz besser wird, dann werden auch wir besser."

Quelle: ntv.de