Wirtschaft

Ende einer Ära nach 250 Jahren Familienbetrieb Birkenstock verkauft

Nach fast einem Vierteljahrtausend in Familienbesitz bekommt der Schuhhersteller Birkenstock neue Eigentümer. Den Zuschlag erhielten Profis aus der Luxusbranche. Davon erhoffen sich die Nachkommen des Firmengründers mehr Wachstum in Asien.

Es ist das Ende einer fast 250 Jahre andauernden Ära: Der deutsche Schuhhersteller Birkenstock ist verkauft. Neue Eigner sind die französisch-amerikanische Beteiligungsgesellschaft L Catterton und der Milliardär Bernard Arnault. Sie übernehmen eine Mehrheit an dem für seine Gesundheitssandalen bekannten Traditions-Unternehmen aus Linz am Rhein. Über Details sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte Birkenstock mit. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörden stehe noch aus. Insidern zufolge wird Birkenstock mit rund vier Milliarden Euro bewertet.

Die Brüder Alexander und Christian Birkenstock behalten einen Minderheitsanteil, der dritte Bruder war vor einigen Jahren ausgestiegen. "Für die nächsten 250 Jahre brauchen wir Partner mit der gleichen strategischen und langfristigen Vision wie die der Familie Birkenstock", erklärten die beiden Erben des Familienunternehmens. Die neuen Eigner hätten sowohl "tiefes Verständnis für die Details eines Produktionsunternehmens", bei dem sich alles um Qualität drehe, als auch den Respekt für Marken mit einem langen Erbe. Birkenstock war im Jahr 1774 gegründet worden und seitdem dauerhaft und vollständig in Familienbesitz.

Birkenstock verspreche sich von dem neuen Eigentümer vor allem größere Chancen auf dem asiatischen Markt, wo Catterton-Miteigentümer LVMH gute Verbindungen hat, hieß es weiter. Birkenstock habe sich zu "einer der wenigen ikonischen Marken" in der Schuhindustrie entwickelt, sagte Arnault. Geschäftsführer Oliver Reichert - der erste externe Manager in der Firmengeschichte - sagte dem "Handelsblatt", die Produktion werde in Deutschland bleiben, eine Verlagerung nach Asien werde es nicht geben.

Zuschlag nicht für das höchste Gebot

Zu LVMH gehören Marken wie Louis Vuitton, Fendi oder Christian Dior; der Konzern betreibt weltweit Tausende eigene Geschäfte, unter anderem in Luxus-Shoppingmalls in Singapur oder Hongkong. Birkenstock sieht nach eigenen Angaben Wachstumschancen unter anderem in China und Indien. Reichert, der seit 2012 an der Spitze des Unternehmens steht, hat den Schuhhersteller seither als Marke im Luxussegment etabliert.

L Catterton war 2016 aus dem US-Investor Catterton und den Finanzbeteiligungen des Luxuskonzerns LVMH entstanden. Sie ist nach eigenen Angaben mit einem investierten Kapital von rund 23 Milliarden US-Dollar die größte globale Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf Konsumgüter. An Birkenstock beteiligt sich direkt auch Arnault, der Mehrheitseigner von LVMH und Christian Dior. Sie hatten mit ihrem Gebot Insidern zufolge den Finanzinvestor CVC ausgestochen. CVC habe einen noch höheren Preis geboten, hieß es; ausschlaggebend für den Zuschlag sei aber gewesen, dass L Catterton und Arnault Zugang zur Branche hätten.

Birkenstock kam im Geschäftsjahr 2018/19 (Ende September) mit rund 4000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 721 Millionen Euro. 2020 habe das Unternehmen ein Rekordjahr verbucht, obwohl die Produktion wegen des Corona-Lockdowns zwei Monate lang stillgestanden habe, sagte ein Insider: Die Nachfrage sei wegen der Pandemie ungebrochen. Nach Aussage einer mit dem Vorgang vertrauten Person wird Birkenstock bei dem Verkauf mit etwa dem 15-Fachen des operativen Gewinns bewertet.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP