Wirtschaft

Stühlerücken bei VW Feuerwehrmann Müller muss gehen

Nach dem Führungswechsel bei der Deutschen Bank kündigt sich wohl auch bei VW ein Wechsel auf dem Chefposten an. Nachfolger Von Konzernchef Müller soll Markenchef Diess werden. Ist das der ersehnte Befreiungsschlag?

Erst vor wenigen Wochen hat Volkswagen-Chef Matthias Müller dem "Spiegel" ein großes Interview gegeben - wie sich jetzt herausstellt, war das wohl sein Abschiedsinterview. Sein Abgang, der am Freitag auf einer Aufsichtsratssitzung besiegelt werden soll, kommt allerdings nicht ganz unerwartet. Seit er bei Volkswagen ist, war er nicht ganz unumstritten. In der Diesel-Affäre hat er selten glücklich agiert, wobei die Aufgabe ein Himmelfahrtskommando gewesen ist. VW hat eigentlich nur etwas zu verlieren gehabt. Und tatsächlich schadeten die verweigerten Schadensersatzzahlungen für VW-Besitzer hierzulande oder die Software- statt Hardwarenachrüstungen dem Image des Konzerns

VW Vorzüge
VW Vorzüge 169,34

Müller hatte im September 2015 eine undankbare Aufgabe vom damaligen Chef Martin Winterkorn übernommen. Er musste die Feuer löschen, dieser mit der Dieselbetrugssoftware gelegt hat. Diese Rolle kannte Müller bereits bei Porsche als er dort das Steuer beim Premiumhersteller in der Nach-Wiedeking-Ära übernommen hatte. Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking musste nach der gescheiterten Übernahme von VW Ende der 2000er Jahre seinen Hut nehmen. Als Feuerwehrmann hat Müller im Konzern aber wohl erst einmal ausgedient.

VW mit Befreiungsschlag

Dabei hinterlässt er seinem designierten Nachfolger Markenchef Herbert Diess ein bestelltes Haus. Denn operativ lief es zuletzt rund, insbesondere in den USA gelang ein sensationelles Comeback. Der Dieselskandal scheint abgehakt. Doch der Konzern will stärker angreifen und hat große Investitionen in die E-Mobilität angekündigt.

Für diesen Job scheint Diess der geeignete Mann zu sein, nicht nur weil er im Konzern sehr gut vernetzt ist und jetzt ohne die Altlasten von Müller agieren kann. Ehe er im Juli 2015 zu Volkswagen wechselte, war er zwischen 2007 und 2014 Vorstandsmitglied bei BMW und hatte sich intensiv für die Entwicklung von Elektroautos eingesetzt. Er sprach sich zudem für die Herstellung von Lithium-Batteriezellen in Deutschland aus, weil er sie für eine Schlüsseltechnologie hält. Investoren erwarten, dass der weltgrößte Autobauer unter seiner Leitung die gute Geschäftsentwicklung der vergangenen Quartale noch etwas beschleunigen kann.

Ambitionierte Wachstumsziele

Ebenso wie sein Vorgänger wird Diess die ehrgeizigen Wachstumsziele des Konzerns vorantreiben. Das Unternehmen möchte den Umsatz bis 2020 um mehr als 25 Prozent steigern. Der Gewinn vor Steuern soll sogar um mindestens 30 Prozent zulegen. Daran will der Konzern Aktionäre teilhaben lassen. So soll die Ausschüttungsquote bei den Dividenden auf 30 Prozent des Gewinns klettern.

In die Entwicklung von Elektroautos, autonomes Fahren, neue Mobilitätsdienste und Digitalisierung sollen bis 2022 insgesamt mehr als 34 Milliarden Euro fließen. Im Fokus steht dabei der chinesische Markt, in den VW zehn Milliarden Euro investieren will. Damit sollen bis 2025 rund 40 Fahrzeugmodelle mit alternativen Antrieben in dem Land produziert werden. Teil der Pläne ist es, im Jahr 2020 rund 400.000 Elektroautos in China zu verkaufen.

VW vollendet damit eine turbulente Woche für drei ehemalige deutsche Aushängeschilder. Denn neben der Deutschen Bank ging es auch bei Bayer noch einmal heiß her. Die Übernahme von Monsanto ist jetzt aber nach langem Hin-und-Her endlich besiegelt. Wenig verwunderlich ist daher die große Nachfrage nach den drei Aktien, die bei Brokern wie Degiro zu den topgehandelten Werten gehörten. Alle drei Unternehmen wollen die Probleme der vergangenen Jahre hinter sich lassen - die Aktienkursgewinne von heute sind ein guter Anfang.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema