Wirtschaft

Illegale Abschalteinrichtung Fiat steht am Pranger

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(Foto: dpa)

VW ist nicht alleine im Abgasskandal-Sumpf. Das Bundesverkehrsministerium hat nun auch Fiat auf dem Radar. In einem Schreiben werden Unregelmäßigkeiten in der Abgasnachbehandlung an Fiat-Fahrzeugen moniert.

Im Abgasstreit mit Fiat erhebt das Bundesverkehrsministerium neue Vorwürfe. Demnach soll der italienisch-amerikanische Autobauer unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselmotoren verwendet haben. In Schreiben an die EU-Kommission und das italienische Transportministerium unter dem Betreff "Unregelmäßigkeiten in der Abgasnachbehandlung an Fahrzeugen des Herstellers Fiat-Chrysler-Automobiles (FCA)", die der Nachrichtenagentur Reuters vorlagen, stellt das Ministerium fest, dass der "Nachweis des Einsatzes einer unzulässigen Abschalteinrichtung erbracht" sei. Die beiden Briefe datieren von Ende August.

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"Damit ist endlich amtlich, was Beobachter längst vermuteten", erklärte die Umweltorganisation Greenpeace. "Der VW-Skandal ist ein Branchenskandal." Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt warf Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup vor, mit zweierlei Maß zu messen. "Fiat will er das Motorschutz-Argument nicht durchgehen lassen. Aber deutsche Hersteller wie Opel oder Daimler dürfen mit eben dieser absurden Begründung die Abgasreinigung unter völlig normalen Fahrbedingungen abschalten."

Einen ersten Verdacht hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bereits im Mai bei einem Fiat 500X geäußert. In dem Schreiben des Verkehrsministeriums heißt es, daraufhin habe die deutsche Zulassungsbehörde im Auftrag des Ministeriums weitere vier Fahrzeuge von Fiat-Chrysler untersucht. Dazu zählten Ministeriumskreisen zufolge zwei weitere Fiat 500X, ein Fiat Doblo und der Geländewagen Jeep Renegade. Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass bei allen überprüften Fahrzeugen ein qualitativ ähnliches Verhalten im Anstieg von Stickoxidemissionen vorliege.

Fiat lehnt Kommentar ab

"Die Ansicht der italienischen Typengenehmigungsbehörde, die Abschalteinrichtung werde aus Gründen des Motorschutzes verwendet, kann Deutschland nicht teilen", so das Ministerium. Dobrindt forderte das italienische Verkehrsministerium auf, "die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen". Die EU-Kommission bat das deutsche Ministerium, in geeigneten Konsultationen eine Lösung herbeizuführen.

Vom italienischen Verkehrsministerium war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Fiat lehnte einen Kommentar ab. Das Kraftfahrt-Bundesamt reagierte nicht auf eine Anfrage. Die "Bild am Sonntag" hatte im Mai von einem Schreiben des KBA mit der Betreffzeile "Unzulässige Abschalteinrichtungen beim Fiat 500X" berichtet. Der Sonntagszeitung zufolge hätten mehrere Prüfungen den Verdacht bestätigt, dass die Abgasreinigung bei den Fahrzeugen jeweils nach 22 Minuten vollständig abschalte.

Abgastests dauern in der Regel nur 20 Minuten. Volkswagen hatte den Einsatz einer Software zugegeben. Diese erkennt, ob ein Wagen auf dem Prüfstand steht - und hält auch nur dann die Abgasgrenzwerte ein. Im normalen Verkehr auf der Straße ist der Schadstoffausstoß um ein Vielfaches höher. Weltweit sind davon bis zu elf Millionen Fahrzeuge des Wolfsburger Autokonzerns betroffen.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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