ZEW-Index sinkt deutlichFinanzprofis beim Blick auf die Konjunktur immer skeptischer

Die Folgen des Krieges in Nahost gehen nach Einschätzung des ZEW über den bloßen Preisanstieg hinaus. Entsprechend pessimistisch blicken Börsenprofis auf die Konjunktur. Ökonomen verweisen darauf, dass die Staatsmilliarden immernoch für Wachstum sorgen werden.
Der Iran-Krieg lässt Finanzexperten immer pessimistischer für die deutsche Wirtschaft werden. "Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs für die deutsche Konjunktur gehen weit über den Anstieg der Preise hinaus", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Die Sorge vor einer längerfristigen Verknappung des Energieangebots hemmt Investitionen und schwächt die Wirkung staatlicher Impulse."
Das Barometer der Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate sank im April um 16,7 Punkte auf minus 17,2 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit Dezember 2022, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner monatlichen Umfrage unter 192 Investoren und Analysten mitteilte. Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf minus 5,0 Punkte erwartet. Die aktuelle Lage schätzten die Börsianer im April ebenfalls schlechter ein: Dieses Barometer fiel um 10,8 Punkte und verharrte mit minus 73,7 Zählern tief im negativen Bereich.
"Eine schwere Ölkrise bleibt das Horrorszenario, trotz aller Hoffnungen auf eine Konfliktbeilegung", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. "So oder so wird die Wirtschaft in diesem Jahr weniger wachsen als Ende 2025 noch erhofft." Ursprünglich hatten Experten der Wirtschaft nach zwei Jahren Rezession und einem Mini-Wachstum im vergangenen Jahr für 2026 eine solide Erholung zugetraut - dank Rückenwind durch die geplanten staatlichen Mehrausgaben.
"Die Furcht vor einer längerfristigen Verknappung des Energieangebots geht um", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Das Infrastruktur- und Rüstungsprogramm der Bundesregierung werde aber weiter seine positive Wirkung auf die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten entfalten. "Gerade deshalb rechnen wir nicht damit, dass der Wachstumseinbruch so stark ausfallen wird, wie es die ZEW-Konjunkturerwartungen derzeit nahelegen."
Derweil setzt der Iran-Krieg die deutsche Wirtschaft vor allem bei Kosten und Lieferketten stark unter Druck. Rund 83 Prozent der Unternehmen berichten von negativen Auswirkungen auf ihre Geschäfte, in der Industrie sind es sogar 87 Prozent, wie aus einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 2400 Betrieben hervorgeht. "Die Kostenwelle rollt durch die Unternehmen", sagte DIHK-Chefanalyst Volker Treier. "Der Konflikt schlägt über Energiepreise und Transportkosten direkt auf Produktion und Beschaffung durch." Energie und Logistik trieben die Preise in fast allen Bereichen nach oben und machten Planung fast unmöglich. Parallel nehmen Störungen in Lieferketten spürbar zu. "Wir sehen einen doppelten Schock aus steigenden Kosten und wachsender Unsicherheit", sagte Treier.