Wirtschaft

Wegen drohender Stromausfälle Firmen warnen vor Kollaps der Mobilfunknetze

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Mobilfunkmasten verfügen über Notfallakkus, diese reichen jedoch nur etwa eine halbe Stunde.

(Foto: dpa)

Sollte es diesen Winter zu großflächigen Stromausfällen kommen, wäre auch das Mobilfunknetz betroffen. Europäische Branchenvertreter wenden sich deshalb schon jetzt an ihre Regierungen. Die Forderung: Sie sollen die Branche vor Netzabschaltungen ausnehmen.

Europas Mobilfunknetz könnte nach Ansicht von Experten bei Stromausfällen als Folge der Energiekrise zumindest temporär ausfallen. Auch wenn die Smartphones selbst mit Akkus betrieben sind und mehrstündige Stromausfälle überstehen können, benötigen die Sendemasten ständig Energie - und die ist im Winter knapp, angesichts der ausfallenden russischen Gaslieferungen und der Stillstände bei einigen französischen Atomkraftwerken.

Branchenvertreter weisen darauf hin, dass derzeit die Notfallsysteme in vielen europäischen Ländern nicht ausreichten, um bei großräumigen Stromausfällen weiterhin für eine Verbindung zu sorgen. Damit liegt der Ball bei Unternehmen und Regierungen, zumindest eine Notfallversorgung sicherzustellen. In mehreren Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Schweden, wird derzeit an einem Plan gearbeitet, wie das Kommunikationsnetz auch bei einem Stromausfall aufrechterhalten werden kann.

Denn viele der knapp einer halben Million Mobilfunkmasten verfügen zwar über einen Notfallakku, doch reicht dieser meist nicht länger als rund eine halbe Stunde. Die Branche schlägt deswegen Alarm und setzt sich dafür ein, Mobilfunk-Infrastruktur von möglichen Netzabschaltungen auszunehmen. In Frankreich etwa könnte bei einer Überlastung das Stromnetz regional für bis zu zwei Stunden abgeschaltet werden, kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser oder Polizeistationen sollen ausgenommen werden.

Im Sommer sei es zu Gesprächen zwischen der Regierung, den Mobilfunkfirmen und dem französischen Netzbetreiber Enedis gekommen, der zum staatlich kontrollierten Versorger EDF gehört. Enedis äußerte sich nicht zum Inhalt der Gespräche. Es sei Sache der örtlichen Behörden, festzulegen, wer zu den bevorzugten Stromkunden gehöre. "Vielleicht wissen wir im Winter mehr, aber es ist nicht einfach, einen Mobilfunkmast vom Rest des Stromnetzes zu isolieren", sagte ein Insider aus dem französischen Finanzministerium. Das Ministerium selbst lehnte eine Stellungnahme ab.

Telekom sorgt mit Diesel-Generatoren vor

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Auch in Schweden und Deutschland hätten die Mobilfunkunternehmen ihre Sorgen der Regierung gegenüber geäußert, sagten mehrere Insider. Die schwedische Telekom-Aufsicht PTS helfe unter anderem beim Kauf mobiler Basisstationen, die bei längeren Stromausfällen für Verbindungen sorgen können, sagte ein Sprecher. Dazu kommen Stromsparmaßnahmen der Telekom-Firmen selbst. Diese müssten ihr Netzwerk überprüfen, um Stromfresser aufzuspüren, und energieeffizientere Ausrüstung in Betrieb nehmen, hieß es aus der Branche.

Stromsparen geht etwa mit einer Software, welche die Datenverbindungen optimiert und einzelne Masten in den Schlafmodus versetzt, wenn sie nicht gebraucht werden. Eine weitere Möglichkeit sind Notstromaggregate. Die Deutsche Telekom setzt auf mobile Diesel-Generatoren, welche Funkmasten in Betrieb halten sollen. Allerdings könne nur ein kleiner Teil der insgesamt rund 33.000 Funkmasten gleichzeitig damit versorgt werden, schränkte das Unternehmen ein.

Quelle: ntv.de, lro/rts

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