Wirtschaft

Zu wenig Wettbewerb? Flugausfälle nehmen drastisch zu

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Dass ein Flieger rechtzeitig, beziehungsweise überhaupt abhebt, ist in Deutschland schon längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

(Foto: picture alliance / Julian Strate)

Annullierte Flüge sind ärgerlich - besonders jetzt in der Ferienzeit. Ein Blick in die Statistik des Verbraucherportals EUclaim offenbart nun Dramatisches: Die Zahl der Ausfälle nimmt enorm zu. Und es könnte noch schlimmer werden.

In der Hochphase der deutschen Urlaubssaison haben die Probleme für Flugreisende drastisch zugenommen. Das zeigen die neuen Zahlen des Verbraucherportals EUclaim, über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Demnach wurden 2018 bereits 18.749 Flüge von und nach Deutschland sowie innerhalb Deutschlands annulliert. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Anstieg von 67 Prozent. Fast 5000 Flüge waren um drei Stunden und mehr verspätet.

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, fordert angesichts der Lage mehr Konkurrenz. "Die derzeitigen Probleme im Luftfahrtmarkt sind auch Ausdruck der eingeschränkten Wettbewerbsintensität in Deutschland im Flugverkehr insgesamt", sagte Achim Wambach der SZ; er berät die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen. Es wäre laut Wambach sinnvoller, Start- und Landerechte zu versteigern. So würde potenziellen Wettbewerbern der Markteintritt erleichtert. Kunden hätten dann mehr Auswahl, und die Fluggesellschaften müssten bessere Leistungen anbieten.

Eine Entspannung der angespannten Situation ist derzeit nicht in Sicht. "Die Probleme können sich im kommenden Jahr sogar noch verstärken", warnt Matthias Maas, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), in der Zeitung. Es fehlten Fluglotsen. Bis 2020 gingen einige Hundert in den Ruhestand, dafür braucht es Nachschub, doch die Ausbildung dauere bis zu vier Jahre, so Maas. Er betont auch: "Die Airlines sind für einen Großteil der Verspätungen selbst verantwortlich, da wird nur von eigenen Problemen abgelenkt. Viele haben nicht richtig geplant."

Reisebüros beklagen Imageschäden

Die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten ebenfalls über das Problem: Demnach beklagt der Deutsche Reiseverband (DRV) die hohe Anzahl von Flugannullierungen und Flugzeitänderungen bei der Fluggesellschaft Eurowings. "Für die Reisebüros bedeutet diese Situation Mehrarbeit und dadurch hohe Kosten", sagte Verbandssprecherin Kerstin Heinen den Zeitungen. Denn sie müssten die Kunden informieren und eventuell Reisen umplanen, so die Sprecherin.

Viele Reisebüros sorgen sich demzufolge bereits um ihre Reputation: "Die Kunden sind verärgert, es bleibt ein Imageschaden, denn letztlich unterscheiden die Kunden nicht, wer schuld an den Unannehmlichkeiten ist – die Airline oder das Reisebüro", so Heinen. Viele Mitarbeiter in den Reisebüros würden sich "eine Entschuldigung für die entstandene Mehrarbeit wünschen". Man habe bereits ein konstruktives Gespräch mit Eurowings geführt. Ein zweites Gespräch sei geplant.

Quelle: n-tv.de, kpi

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