Wirtschaft

Trotz enttäuschender Leistung Fondsmanager verdienen über 1 Mrd Dollar

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Derzeit können viele Hedgefonds mit den Kursen der US-Leitindizes nicht mithalten. Hohe Gebühren nehmen sie trotzdem.

(Foto: REUTERS)

Bei fünf Hedgefonds haben Manager im vergangenen Jahr jeweils mehr als eine Milliarde Dollar verdient. Nicht nur unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten stellt sich die Frage, ob das angemessen ist. Investoren können mit billigen Indexfonds teils bessere Renditen erzielen.

Jahr für Jahr diskutiert Deutschland darüber, welche Manger und Banker Millionengehälter erreichen, und wie solche Einkommen zu rechtfertigen sind. Bei den Spitzenverdienern unter den Hedgefondsmanagern in den USA und Großbritannien geht es um ganz andere Summen. Fünf von ihnen verdienten im vergangenen Jahr laut Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg eine Milliarde Dollar oder mehr. Die Top 15 der Fonds-Verwalter erhielt demzufolge zusammen zwölf Milliarden Dollar. Diese Gehälter werfen nicht nur Gerechtigkeitsfragen auf.

Absoluter Spitzenverdiener aller Hedgefondsmanager war der Brite Christopher Hohn, Chef von The Children's Investment Fund (TCI). Hohn nahm laut Bloomberg-Rechnung 2019 mehr als 1,8 Milliarden Dollar ein. Davon 605 Millionen Dollar Gebühren seiner Fondskunden. Der Rest ist sein Anteil am erwirtschafteten Gewinn. Auf den Plätzen zwei und drei liegen Jim Simons von Renaissance Technologies und Ken Griffin von Citadel mit gut 1,7 Milliarden beziehungsweise 1,5 Milliarden Dollar.

Obwohl sie etwas weniger verdienten als Hohn stellt sich vor allem bei Simons und Griffin die Frage, wie sie ihre gigantischen Einkommen rechtfertigen. Hohns TCI erwirtschaftete im abgelaufenen Jahr 41 Prozent Rendite und lag damit deutlich über für viele Fonds als Vergleichsmaßstab herangezogenen US-Leitindex S&P500, der 2019 um 29 Prozent stieg. Die Hedgefonds von Simons und Griffin und einigen anderen Managern, die mehrere Hundert Milllionen Dollar an Gebühren von ihren Kunden einnahmen, lagen dagegen teils deutlich unter diesem Benchmark. Das heißt, Anleger hätten höhere Gewinne mit preisgünstigen Indexfonds erzielen können. Bei solchen Fonds, die einfache Leitindizes wie den S&P500 nachbilden, liegen die Kosten oft bei unter einem Prozent. Hedgefondsmanager behalten meist rund 20 Prozent der Rendite als Gewinn ein.

Börsenboom macht Hedgefonds das Leben schwer

Vertreter der von Bloomberg ausgewerteten Hedgefonds wollten sich dem Bericht zufolge nicht zum Einkommen ihrer Manager äußern. Vertreter der Branche argumentieren oft, dass der Vergleich mit einem Aktienindex wie dem S&P500 nicht aussagekräftig sei, insbesondere in Jahren, in denen sich die Aktienmärkte so gut entwickeln wie 2019. Denn Hedgefonds haben ja gerade das Ziel, unabhängig von den Schwankungen der Börsen hohe Renditen zu erwirtschaften.

Dabei fällt allerdings auf, dass auch die meisten Hedgefonds derzeit stark auf aktuelle Börsenlieblinge wie die Aktien Facebook oder den chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba setzen. Der Investmentbank Goldman Sachs zufolge warfen die Hedgefonds im Durchschnitt in den vergangenen fünf Jahren weniger ab als ein Standardportfolio aus Aktien und Anleihen.  

So lässt der Börsenboom der vergangenen Jahre viele Anleger an den teuren Hedgefonds zweifeln. Verschiedenen Schätzungen zufolge zogen 2019 Investoren bis zu 100 Milliarden Dollar Kapital aus Hedgefonds ab. Dieses Jahr dürften etwa weitere 20 Milliarden Dollar abfließen, wie aus einer Umfrage von Goldman Sachs unter Investoren hervorgeht.

Quelle: ntv.de, mbo