Wirtschaft

Der Brexit macht's möglich Frankfurt erwartet Zehntausende neuer Jobs

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Frankfurt am Main hat derzeit rund 730.000 Einwohner.

(Foto: REUTERS)

Der Ausstieg der Briten aus der EU kann der Stadt Frankfurt und der Region Rhein-Main erheblichen Auftrieb verschaffen. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie. Bis 2021 könnten allein rund 10.000 Bankbeschäftigte zuziehen.

Die Stadt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet könnten vom Umzug zahlreicher Londoner Banker in den kommenden Jahren kräftig profitieren. Zu dieser Ansicht kommt eine Schätzung von Wissenschaftlern der WHU Otto Beisheim School of Management im Auftrag der Finanzplatz-Lobby Frankfurt Main Finance. Demnach dürfte der Wechsel jedes Bankers, der wegen des Brexit von der Themse an den Main zieht, für bis zu vier Jobs außerhalb des Finanzsektors sorgen - zum Beispiel im Transportgewerbe, der Baubranche, dem Bildungs- oder dem Gesundheitswesen. In einem ihrer Szenarien halten die Autoren der Studie sogar bis zu 88.000 zusätzliche Jobs in der Region um Frankfurt für möglich.

Die Wissenschaftler gehen von einem Zuzug von rund 10.000 Bankbeschäftigten innerhalb der kommenden vier Jahre nach Frankfurt und das Umland aus. Ob tatsächlich so viele Banker wegen des Ausscheidens des Finanzplatzes London aus der EU ins Rhein-Main-Gebiet ziehen werden, ist völlig offen. Allerdings haben bereits einige internationale Institute angekündigt, dass sie Personal in Frankfurt aufstocken oder Teile ihres Geschäfts an den Main verlegen wollen. Die Stadt dürfte als Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) samt europäischer Bankenaufsicht noch einige international agierende Geldhäuser mehr anziehen - davon gehen jedenfalls Experten und die Stadt Frankfurt selbst aus.

"Keine Glitzer-Jobs"

Londons Funktion als Europas Finanzzentrum ersetzen können wird das mit rund 730.000 Einwohnern im internationalen Maßstab kleine Frankfurt allerdings nicht, erwarten die Autoren. Vor allem Risikofachleute und Experten für Regulierungsfragen dürfte es an den Main ziehen und weniger die schillernden und kaufkräftigen Investmentbanker, erwartet Lutz Johanning, der die Studie verantwortet: "Frankfurt wird nicht die Glitzer-Jobs bekommen."

Oliver Schwebel, Chef der Frankfurter Wirtschaftsförderung, kann sich aber durchaus vorstellen, dass die fünftgrößte deutsche Stadt ihre Stellung als internationales Finanzzentrum massiv ausbauen kann: "Es ist nicht die City of London, aber vielleicht kann es (Frankfurt) ein kleines London werden."

"Bewohner werden nicht verdrängt"

Frankfurt ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen - alleine seit 2010 stieg die Bevölkerungszahl um zehn Prozent. Unter Londoner Bankern gilt die Stadt als vergleichsweise provinziell, auf der anderen Seite sind etwa die Mieten im Vergleich zu London oder Paris sehr niedrig.

Befürchtungen, der Zuzug vieler gut bezahlter Banker an den Main könnte zur Verdrängung ärmerer Menschen aus attraktiven Stadtteilen führen, teilt Schwebel indes nicht: "Sie (die Bewohner) werden nicht verdrängt werden." Allerdings ist das Mietniveau in Frankfurt in den vergangenen Jahren bereits stark gestiegen - auch ohne Effekte durch den Brexit. Manchen Studien zufolge liegen die Mieten nur noch in München höher als in der Finanzhauptstadt Deutschlands.

Sollten sich die Prognosen der WHU-Wissenschaftler für Frankfurt als richtig herausstellen, würde das Stadtsäckel von Zuzug der Brexit-Banker und des durch sie eventuell ausgelösten Job-Booms massiv profitieren. Die zusätzlichen Einnahmen bei der Umsatz-, Einkommens- und Gewerbesteuer könnten demnach bis zu annähernd 200 Millionen Euro jährlich mehr in die Kasse spülen.

Quelle: ntv.de, wne/rts

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