Wirtschaft

Geschäfte mit dem IS? Frankreich ermittelt gegen LafargeHolcim

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2013 und 2014 soll der Konzern Schmiergeld an den IS gezahlt haben, um sein Werk in Nordsyrien weiterbetreiben zu können.

(Foto: REUTERS)

Hat der Schweizer Zementkonzern LafargeHolcim Schutzgeld an die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien bezahlt? Nun hat der Fall ein juristisches Nachspiel für das Unternehmen.

Die Affäre um Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg hat für den Schweizer Zementriesen LafargeHolcim ein juristisches Nachspiel. Frankreich hat im Zusammenhang mit den Geschäften des Weltmarktführers in Syrien eine Rechtsuntersuchung eröffnet. Die Pariser Staatsanwaltschaft betraute drei Untersuchungsrichter mit den Ermittlungen, wie die Behörde am Dienstag bestätigte. Die Vorwürfe lauten auf Terrorfinanzierung und Gefährdung des Lebens anderer.

Ein mit Anti-Terror-Themen betrauter Richter und zwei auf Finanzfragen spezialisierte Richter arbeiteten demnach an dem Fall. Im Mittelpunkt stehe der Vorwurf der "Finanzierung von terroristischen Vorhaben" und die Gefährdung von Leben. Eine Sprecherin von LafargeHolcim wollte sich vorerst nicht dazu äußern.

Bei den Ermittlungen geht es um ein Zementwerk im nordsyrischen Dschalabija, das der französische Lafarge-Konzern trotz des Bürgerkriegs in dem Land weiterbetrieb. Das Unternehmen, das später mit dem Schweizer Konkurrenten Holcim fusionierte, soll deswegen 2013 und 2014 Arrangements mit bewaffneten Gruppen getroffen haben - auch mit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Der Konzern begründete dies mit "Bedrohungen für die Sicherheit der Mitarbeiter" und "Störungen" der Lieferungen zum und vom Werk. Aufgedeckt wurden die Vorgänge 2016 von der französischen Tageszeitung "Le Monde". Das französische Wirtschaftsministerium und mehrere Nichtregierungsorganisationen haben Anzeige gegen den Zementkonzern erstattet.

Wegen der Syrien-Affäre kündigte LafargeHolcim-Chef Eric Olsen für Mitte Juli seinen Rücktritt an. Sein Nachfolger wird der deutsche Manager Jan Jenisch, derzeit Chef des Schweizer Bau-Chemie-Konzerns Sika. Der 50-jährige Deutsche gilt als Architekt des Erfolgs von Sika, die in den vergangenen Jahren trotz eines feindlichen Übernahmeversuchs Umsatz und Margen kräftig steigern und den Börsenwert seit seinem Amtsantritt 2011 verdreifachen konnte.

Quelle: ntv.de, bdk/rts/AFP