Wirtschaft

Männer dominieren Frauen im Einzelhandel sind selten Chefin

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Weniger als ein Viertel der Frauen im Einzelhandel hat in Europa eine Spitzenposition inne.

(Foto: dpa)

Sie kündigen an, mehr Frauen in ihren Aufsichtsräten mitbestimmen zu lassen – viele europäische Unternehmen im Einzelhandel wollen angeblich bei ihrer größten Zielgruppe nachbessern. Doch in der Realität sitzt ein Großteil der Frauen nicht im Vorstand, sondern an der Kasse.

In einer Branche, in der hauptsächlich Frauen arbeiten und knapp 80 Prozent der Konsumgüter kaufen, haben vor allem Männer das Sagen. Das geht aus einer Bloomberg-Umfrage unter den 24 börsennotierten Einzelhandels-, Mode- und Luxusfirmen in Europa hervor. Der Großteil der Beschäftigten im Einzelhandel ist weiblich. Demnach beträgt der Frauenanteil in der Branche rund 63 Prozent. Weniger als ein Viertel der Frauen hat eine Führungsposition inne. Dagegen sind diejenigen, die in den Unternehmen, die Entscheidungen für ihre überwiegend weibliche Zielgruppe treffen, vor allem männlich.

Der Anteil der Frauen, die im deutschen Einzelhandel arbeiten, fällt nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit 68 Prozent etwas höher aus. Vor allem Frauen in Verkaufsberufen und geringfügigen Anstellungsverhältnissen machen den Löwenanteil der Beschäftigten in dieser Branche aus - das zeigen Berechnungen des Online-Portals Statista. Nur knapp ein Drittel der Beschäftigten in diesem Segment ist männlich. Die Entscheidungsgremien von Unternehmen im Einzelhandel in Deutschland sind, ähnlich wie die Bloomberg-Ergebnisse zeigen, deutlich schlechter mit Frauen als mit Männern besetzt. Nur 38 Prozent der Mitarbeiterinnen im Einzelhandel besetzen Spitzenpositionen.

"Unternehmen, die überwiegend eine Mehrheit von Frauen in ihren Rängen haben, haben oft auch Männer in den Spitzenpositionen", sagt Denise Wilson-White im Gespräch mit Bloomberg. Sie ist Geschäftsführerin der Hampton-Alexander Review, ein staatlich unterstütztes Prüfungsgremium, das sich für Frauen in Vorständen und Führungspositionen in den 350 börsennotierten Unternehmen in Großbritannien einsetzt. Es gehe nicht um Mangel an Talent oder Ehrgeiz. "Frauen werden bei Auswahlprozessen häufig nicht angenommen, weil es Vorurteile gegen sie gibt. Und weil männliche Führungskräfte ihre Nachfolger oft nach ihrem eigenen Bild besetzen."

Quelle: ntv.de, lmw