Wirtschaft

Vonovia hat Aktien-Mehrheit Fusion der Immobilienriesen gesichert

257032094.jpg

Die als sozialer Brennpunkt geltende Highdeck-Siedlung in Neukölln hat Vonovia an die Öffentliche Hand zurückverkauft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kurz bevor eine Mehrheit der Berliner für eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände stimmt, sichert sich Vonovia die Mehrheit an der im Mittelpunkt der Kritik stehenden Deutsche Wohnen. Den Aktionären macht das Abstimmungsergebnis keine Sorgen. Vonovia-Chef Buch gibt sich konziliant.

Der Milliardendeal in der deutschen Immobilienbranche ist gelungen: Vonovia hat sich schon vor Ende der Annahmefrist mehr als die Hälfte des Kapitals beim Wettbewerber Deutsche Wohnen gesichert. Wie aus einer Pflichtmitteilung des Konzerns hervorgeht, verfügte Vonovia nach eigenen Angaben bereits am Freitag über 50,49 Prozent der Aktien.

Vonovia SE
Vonovia SE 23,36

Damit ist auch eine Kapitalerhöhung bei der Deutschen Wohnen vom Tisch, die Vonovia notfalls gebraucht hätte, um die Mehrheit zu untermauern. Die erste Frist der Übernahme-Offerte endet am 4. Oktober um Mitternacht. Vonovia bietet 53 Euro je Deutsche-Wohnen-Aktie. Vonovia hatte die Mindestannahmeschwelle seiner rund 19 Milliarden Euro schweren Kaufofferte für den kleineren Rivalen über Bord geworfen - damit wollte der Konzern einen erneuten Fehlschlag verhindern. Den beiden im Leitindex Dax gelisteten Immobilienriesen gehören zusammen rund 550.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro, der größte Teil davon in Deutschland. Das Immobilienportfolio der Deutsche Wohnen liegt vor allem in Berlin.

Die Wohnungskonzerne, allen voran die Deutsche Wohnen, stehen in Berlin stark in der Kritik. Die Berliner sprachen sich am Sonntag in einem Volksentscheid für eine Vergesellschaftung von Wohnungen großer Konzerne aus. Das Votum ist indes rechtlich nicht bindend. Die Vonovia-Aktionäre gehen offenbar fest davon aus, dass es nicht zu einer Vergesellschaftung kommt. Die Aktien des Konzerns legten nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses und des Erreichens der Mehrheit bei der Deutsche Wohnen um mehr als vier Prozent zu.

Vonovia bietet Wohn-Bündnis an

Vonovia-Chef Rolf Buch bot Berlin eine enge Zusammenarbeit zur Lösung der Krise auf dem Wohnungsmarkt an. "Vonovia steht bereit, um mit einer neuen Landesregierung und den relevanten gesellschaftlichen Akteuren der Stadt die Herausforderungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt kraftvoll anzugehen", sagte Vonovia-Chef Rolf Buch. Enteignungen lösten die Probleme auf dem Berliner Wohnungsmarkt nicht. Es seien konstruktivere Lösungen angezeigt, um die Sorgen "vieler Berlinerinnen und Berliner aufgreifen, sich ihre Wohnung in Zukunft nicht mehr leisten zu können."

Vonovia und Deutsche Wohnen hatten im Zuge ihrer Fusionspläne bereits 14.750 Wohnungen an kommunale Wohnungsunternehmen verkauft. Im nächsten Schritt wollen sie ihre Mieten in Berlin freiwillig für die nächsten fünf Jahre begrenzen. Darüber hinaus sind sie bereit, rund 13.000 neue Wohnungen in Berlin zu bauen. Buch sprach sich für ein "neues Bündnis für das Wohnen" aus.

Die letzte Übernahmeofferte Vonovias für die Deutsche Wohnen war Ende Juli an der Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent gescheitert, die Bochumer hatten nur 47,6 Prozent der Anteile einsammeln können. Nun hat sich Buch die Mehrheit an dem Berliner Konkurrenten gesichert. Damit läuft auch eine Klage des Londoner Hedgefonds Davidson Kempner ins Leere - dieser hatte beim Landgericht Berlin eine Einstweilige Verfügung gegen eine mögliche Kapitalerhöhung von Deutsche Wohnen und den Verkauf eigener Aktien an Vonovia beantragt. Beide Schritte würden aber nicht benötigt, machte eine Vonovia-Sprecherin deutlich.

Quelle: ntv.de, mbo/DJ/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen