Wirtschaft

Flucht von Ex-Nissan-Chef Ghosn entkam nach Ende von Beschattung

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Ghosn steht in Japan wegen Untreue und finanziellen Fehlverhaltens unter Anklage.

(Foto: REUTERS)

Es ist eine Flucht wie aus dem Drehbuch - der frühere Renault- und Nissan-Chef Carlos Ghosn türmt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus Japan in Richtung Libanon. Kurz zuvor soll Ghosns Beschattung durch seinen früheren Arbeitgeber geendet haben, berichten Insider.

Nach der spektakulären Flucht des ehemaligen Renault- und Nissan-Chefs Carlos Ghosn sickern immer mehr Details durch. Laut Insidern soll der 65-Jährige seine Wohnung in Tokio verlassen haben, nachdem eine private Sicherheitsfirma die Überwachung des früheren Spitzenmanagers eingestellt habe. Die Firma sei von Ghosns früherem Arbeitgeber Nissan beauftragt worden. Ihre Aufgabe sei es gewesen herauszufinden, ob Ghosn Personen trifft, die mit den gegen ihn gerichteten Vorwürfen in Zusammenhang stehen.

Ghosn steht in Japan wegen Untreue und finanziellen Fehlverhaltens beim Renault-Partner Nissan unter Anklage. Er war im vergangenen Frühjahr gegen eine Millionen-Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden und wurde während seines Hausarrests streng überwacht. Dennoch konnte Ghosn, der neben der französischen und brasilianischen auch die libanesische Staatsangehörigkeit besitzt, nach Beirut fliehen.

Die insgesamt drei Insider führten nun aus, Ghosns Anwälte hätten die von Nissan beauftragte Sicherheitsfirma aufgefordert, die Überwachung zu beenden. Sie warfen ihr demnach einen Verstoß gegen Ghosns Menschenrechte vor. Der ehemalige Manager habe eine Klage gegen die Firma geplant. Daraufhin sei die Überwachung am 29. Dezember beendet worden. Am 31. Dezember hatte Ghosn seine Flucht in den Libanon bekanntgemacht.

Spekulationen über Details der Flucht

Viele der Details der Flucht sind weiterhin unklar. Ghosn hat dazu für den 8. Januar eine öffentliche Erklärung angekündigt. Libanesische Medien hatten berichtet, Ghosn sei nach einem Privatkonzert in einem Instrumentenkasten aus seiner Wohnung in Tokio geschmuggelt worden. Der japanische Sender NHK berichtete dagegen am Freitag unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie Ghosn kurz vor seiner Flucht allein das Haus in Tokio verlassen habe.

Unklar ist, wie Ghosn in Osaka an Bord des Privatjets gelang, mit dem er anschließend nach Istanbul flog, von wo aus es weiter nach Beirut ging. Auch im Terminal für Privatjets, das der Manager wahrscheinlich nutzte, müssen Passagiere Pass- und Gepäckkontrollen durchlaufen. Gepäckstücke, die für die Röntgenmaschinen zu groß seien, würden geöffnet, sagte ein Flughafensprecher. Es sei daher unwahrscheinlich, dass Ghosn so an Bord geschmuggelt worden sei. "Er hätte als Passagier durchgehen müssen, möglicherweise in Verkleidung", sagte der Sprecher. Das wäre nicht das erste Mal: Nach seiner Haftentlassung im März versuchte Ghosn sich in Verkleidung an den Medien vorbeizuschleichen, wurde aber dennoch erkannt.

Quelle: ntv.de, kst/rts