Logistik-Wunder in der WüsteGigantische Lkw-Flotte ersetzt Straße von Hormus

Um die blockierte Straße von Hormus zu umgehen, hat Saudi-Arabien den Handel teilweise auf die Straße verlegt. In Rekordzeit entstehen neue Landwege, um die globale Blockade am Golf zu knacken.
Nachdem die USA den Iran angegriffen haben, hat der Geschäftsführer des staatlich kontrollierten saudischen Bergbaukonzerns Maaden schnell gehandelt. Das Unternehmen baut in seinen Bergwerken Gold, Bauxit, Kupfer, Industrieminerale und Phosphat ab. Normalerweise werden diese Rohstoffe in Häfen am Persischen Golf verschifft und durch die Straße von Hormus in die ganze Welt transportiert. Doch diese Route ist seit dem Beginn des Iran-Kriegs vor drei Monaten blockiert.
Laut einem Bericht des "Wall Street Journals" organisierte Maaden innerhalb von zwei Wochen den Transport von Düngemittel quer durch das Königreich an die Küste des Roten Meeres. Dafür waren tausende Lkw nötig, die seitdem meist rund um die Uhr im Einsatz sind. "Aus 600 wurden 1600, dann 2000. Jetzt sind 3500 Lkw vom Golf zum Roten Meer unterwegs", zitiert das Blatt den Geschäftsführer Bob Wilt. Auf diese Weise soll der Exportrückstand bis Ende Mai wieder aufgeholt werden.
Während Produzenten jahrzehntelang ihre Transporte über die Straße von Hormus optimiert haben, rückt nun außerdem ein kleiner Hafen am Golf von Oman ins Visier: Khor Fakkan. Er ist inzwischen laut WSJ zur unerwarteten Lebensader geworden. Das Lkw-Aufkommen sei auf 7000 pro Tag angestiegen. Vor dem Konflikt habe es lediglich bei 100 Fahrzeugen gelegen.
Lange Zeit fungierte Khor Fakkan lediglich als Umschlagplatz. Container wurden dort von einem Schiff ab- und auf ein anderes verladen. Mittlerweile verlassen ankommende Container den Hafen per Lkw. Das wöchentliche Containeraufkommen im Hafen ist seit Beginn des Konflikts von 2.000 auf 50.000 explodiert, schreibt das WSJ. Um das möglich zu machen, habe das Betreiberunternehmen Gulftainer innerhalb von zwei Wochen 900 Mitarbeiter eingestellt und einen neuen Lkw-Rangierbahnhof für die Sortierung und den Versand von Fracht eröffnet.
Kurz nach Kriegsbeginn hatten Analysten des Rohstoffforschungsunternehmens CRU noch angezweifelt, ob saudische Produkte es weiter auf den Weltmarkt schaffen würden. Das Schiffsverfolgungsunternehmen Kpler hat inzwischen aber Phosphatladungen aus dem saudischen Hafen Yanbu am Roten Meer in Dschibuti, Thailand und Argentinien registriert.
Die Lkw-Konvois seien das jüngste Beispiel dafür, wie die Weltwirtschaft angesichts kriegsbedingter Schocks eine überraschende Widerstandsfähigkeit beweise, schreibt das WSJ. Während die wichtigsten Exporte der Region – Öl und Erdgas – stark zurückgegangen sind, gelangt weiterhin eine beträchtliche Menge über Ausweichrouten auf die Weltmärkte. Der CRU-Analyst Peter Harrison geht im Gespräch mit der Zeitung sogar so weit, die Krisenreaktion als "Saudi-Arabiens logistisches Wunder" zu bezeichnen.