Wirtschaft

Nach Remdesivir-Schlappe Gilead macht Jagd auf Krebs-Blockbuster

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Die positiven Nachrichten über das Medikament Remdesivir konnten der Aktie von Gilead Sciences nicht helfen.

(Foto: imago images/PPE)

Der Biotech-Konzern Gilead steht laut Insidern kurz davor, den Arzneimittelhersteller Immunomedics zu schlucken. Es wäre bereits sein dritter Deal im Bereich Krebsmedikamente. Der Hersteller des Covid-19-Medikaments Remdesivir ist bereit, das Doppelte des Marktwerts zu zahlen.

In der Pharmabranche in den USA bahnt sich eine milliardenschwere Übernahme an. Der US-Biotechkonzern Gilead Sciences bietet laut einem Zeitungsbericht mehr als 20 Milliarden Dollar für den Rivalen Immunomedics. Laut "Wall Street Journal" könnte die Übernahme am Montag oder sogar auch schon früher bekannt gegeben werden.

Gilead Sciences
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Das Angebot von Gilead liegt nahezu doppelt so hoch wie der Marktwert des Konkurrenten. Immunomedics wird an der Börse nach einem massiven Kursanstieg mit rund 10 Milliarden Dollar bewertet. Um sich neue Medikamente für sein Portfolio zu sichern, ist Gilead demnach bereit, eine ordentliche Prämie zu zahlen, um andere Interessenten auszustechen.

Gilead konzentriert sich aktuell vor allem auf die Therapie von Hepatitis C und HIV. Während der Corona-Pandemie sorgte der Konzern mit seinem Medikament Remdesivir für Aufmerksamkeit, ein Arzneimittel, das ursprünglich als potenzielle Ebola-Behandlung angesehen wurde und immer noch durch Patente geschützt ist. Das Medikament erhielt im Juli eine Notfallgenehmigung in den USA für die Behandlung von Personen, die an Covid-19 schwer erkrankt sind. Allerdings zeigt das Mittel nur geringe Wirkung.

Immunomedics
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Immunomedics ist derweil für sein Brustkrebsmedikament Trodelvy bekannt, das viele große Pharmahersteller gerne in ihrem Portfolio hätten. Insidern zufolge sollen in den vergangenen Wochen bereits mehrere Firmen Interesse an Immunomedics angemeldet haben. Brustkrebs ist eines der lukrativsten Segmente des Marktes für Krebsmedikamente. Trodelvy hat außerdem erste Anzeichen für Erfolge bei der Behandlung von Lungenkrebs und anderen Krebsarten gezeigt.

Euphorie um Remdesivir hat sich gelegt

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Gilead und Immunomedics sollen zunächst über eine Partnerschaft gesprochen haben, bevor die Verhandlungen ausgeweitet worden seien, heißt es weiter. Kommt der Deal zustande, wäre es für Gilead bereits der dritte in drei Jahren im onkologischen Forschungsbereich.

Die erste Euphorie über das Medikament Remdesivir ist verflogen, die Gilead-Aktie kennt seit drei Monaten nur einen Weg, und zwar nach unten. Der Aktienkurs von Immunomedics dagegen hat sich dieses Jahr verdoppelt. Mit Trodelvy hat das Unternehmen in den ersten beiden Monaten auf dem Markt 20,1 Millionen Dollar netto eingenommen. Die Analysten von Jefferies trauen dem Medikament 2022 einen Umsatz von 480 Millionen Dollar zu. Sollte es für weitere Indikationen zugelassen werden, könnten die Erlöse noch stärker wachsen. Die Aktien des Unternehmens notierten an der New Yorker Börse zuletzt mit 42,25 Dollar.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ