Wirtschaft

Insolvenzplan durchgewunken Gläubiger setzen auf Galeria Karstadt Kaufhof

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof darf auf eine Zukunft hoffen: Die Gläubigerversammlung stimmte einem Insolvenzplan zu, zehntausende Gläubiger verzichten für eine mögliche Rettung auf mehrere Milliarden Euro.

Die Gläubiger von Galeria Karstadt Kaufhof wollen die insolvente Warenhauskette retten: Auf der Gläubigerversammlung in Essen stimmten sie dem Insolvenzplan zu, wie Unternehmenschef Miguel Müllenbach den Mitarbeitern per Brief mitteilte. Müllenbach zeigte sich zuversichtlich, dass das Schutzschirm-Verfahren wie geplant noch im September abgeschlossen werden könne und der Konzern dann schuldenfrei sei.

Die Gläubiger hatten in der Messe Essen etwa sechs Stunden lang hinter verschlossenen Türen mit der Geschäftsleitung sowie dem Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz und dem gerichtlich bestellten Sachwalter Frank Kebekus über die Zukunft des wirtschaftlich schwer angeschlagenen Warenhauskonzerns beraten. Dabei bestätigten sie laut dem für das Insolvenzverfahren zuständigen Amtsgericht Essen Kebekus in seinem Amt und stimmten für die Beibehaltung des Gläubigerausschusses.

Etwa 100 Gläubiger und Gläubigervertreter saßen vor dem Podium in der Corona-gerecht bestuhlten Messehalle - laut Kebekus vertraten sie 1,7 Milliarden Euro der insgesamt angemeldeten Forderungssumme von rund drei Milliarden Euro. Diese Summe werde am Ende sicher nicht bestehen bleiben, betonte Geiwitz. Den Angaben zufolge können die Gläubiger bislang erst auf eine Auszahlung von 500 Millionen Euro hoffen. Eine genaue Summe sei aber erst in mehreren Monaten absehbar. Bis Freitag sollen in Essen weitere Gläubigerversammlungen für Tochterunternehmen stattfinden.

Gläubigerversammlung ist ein "Zwischenschritt"

Vor Beginn des nicht öffentlichen Treffens demonstrierten einzelne Betriebsräte und Tarifkommissionsmitglieder der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegen die im Zuge der Sanierung geplanten Filial- und Stellenstreichungen. "Das ist ein Plan, und Pläne können angepasst und verändert werden", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Die Gläubigerversammlung sei ein "Zwischenschritt". Es gelte, "dranzubleiben" und weiter für die von Kürzungen bedrohten Filialen und die betroffenen Arbeitsplätze zu kämpfen, sagte Nutzenberger.

Insolvenzverwalter, Management und der Eigentümer Signa müssten in die Verantwortung genommen werden; gleichzeitig müsse weiter mit den Kommunen über die Zukunft der Filialen gesprochen werden, verlangte sie. Laut der Verdi-Landesbereichsleiterin für Handel, Silke Zimmer, sind aktuell noch 47 Warenhäuser von der Schließung bedroht - und mit ihnen tausende der noch 28.000 Galeria-Beschäftigten.

Der Warenhauskonzern, seit dem vergangenen Jahr vollständig im Besitz der Signa-Gruppe des Österreichers René Benko, war in der Corona-Krise ins Schlingern geraten. Auch Bemühungen um einen Hilfskredit und Mietstreichungen konnten die Insolvenz nicht abwenden. Nach der ersten Karstadt-Insolvenz im Jahr 2009 hatte Benko 2013 die Mehrheit gekauft und die Warenhauskette 2015 komplett übernommen. 2018 fusionierten dann Karstadt und Galeria Kaufhof, im Sommer 2019 übernahm Signa sämtliche Anteile.

Die Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Katja Mast, sagte, es gehe bei Galeria Karstadt Kaufhof um ein Stück deutsche Einzelhandelsgeschichte - und um Arbeitsplätze. "Arbeiten wir daran, dass nun etwas Neues entsteht." Geschäftspolitisch und politisch werde es darum gehen müssen, "wie wir vor lauter Online-Handel attraktive Innenstädte und damit auch Warenhäuser und Geschäfte erhalten." Dazu seien auch neue Konzepte für die verbleibenden Kaufhof-Standorte notwendig. "Ein einfaches 'Weiter so' führt nicht in die Zukunft."

Quelle: ntv.de, ter/AFP