Wirtschaft

"Zu schwul" für Telefonkonferenz Goldman soll Homosexuelle gemobbt haben

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Die Förderung von Vielfalt sei für Goldman Sachs nur ein "Lippenbekenntnis", heißt es in einer Klage.

(Foto: REUTERS)

Ein Ex-Mitarbeiter wirft der US-Investmentbank massive sexuelle Diskriminierung vor: Er sei gefeuert worden, weil er sich über homophobe Äußerungen beschwert habe. Selbst schwule Topmanager haben sich mit dem Ton an der Wall Street offenbar abgefunden.

Lange lief für William Littleton bei Goldman Sachs alles gut. 2010 stellte ihn die Investmentbank direkt nach der Uni ein. Er arbeitete als Analyst für Produktstrategien in New York, wurde mehrfach befördert. Seine Chefs stellten ihm tadellose Zeugnisse aus, lobten ihn als "hochproduktives und wirkungsvolles Teammitglied" und "herausragend". Bis 2018. Da wurde Littleton nach acht Jahren bei der Bank abrupt gefeuert, und zwar nur aus einem einzigen Grund, wie er behauptet: Weil er schwul war.

Am Mittwoch hat Littleton die Bank in New York verklagt. Er verlangt Schadenersatz wegen "zahlreicher Vorfälle" von Homophobie und sexueller Diskriminierung, die er während seiner Zeit bei Goldman erlebt haben will. Die Klage wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf das Arbeitsklima bei der Bank, sondern auch auf die offenbar immer noch weitverbreitete Homophobie an der Wall Street insgesamt.

"Zu schwul" für die TelKo

Er sei sich "sehr bewusst gewesen, dass offen schwul zu sein bei einem Finanzinstitut zu Diskriminierung und Spott führen" könne, heißt es in der Klage, die n-tv.de vorliegt. "Bis heute zögern Angestellte an der Wall Street, offen mit ihrer sexuellen Diskriminierung umzugehen oder Sorgen über Diskriminierung zu äußern, weil sie Angst vor Vergeltung haben oder fürchten, als Außenseiter behandelt zu werden", zitiert die Finanzagentur "Bloomberg" Littletons Anwalt.

Littleton will genau das bei der Bank erlebt haben: 2014 sei er angeblich von einer Telefonkonferenz mit einem Kunden ausgeschlossen worden, weil der Moderator fand, er klinge "zu schwul". Als sich Littleton bei seiner Chefin beschwerte, hätte diese zwar Sympathie gezeigt. Außer der mündlichen Anteilnahme ("Das ist Mist") sei aber nichts geschehen.

LGBT

Bei LGBT geht's um die sexuelle Orientierung, es ist eine englische Abkürzung für "Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender". Das deutsche Pendant, LSBT (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender), wird kaum verwendet.

Zudem habe sie ihn nach einem späteren Streit gefragt: "Was ist los mit dir? Verhältst du dich so, weil du schwul bist?" Eine andere Vorgesetze soll sich vor dem Team über Littleton lustig gemacht haben: Er habe wohl "noch einen Kater von den Festivitäten", soll sie zu Littletons Kollegen gesagt haben, als er nach der jährlichen Gay-Pride-Parade nicht im Büro war.

Goldman Sachs weist die Vorwürfe zurück: "Goldman Sachs unternimmt anhaltende und bewährte Anstrengungen für Vielfalt und wir sind stolz auf die lebendige und bunte Gemeinschaft von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender-Menschen und Queeren (LGBTQ) in der Firma", teilt die Bank mit.

Auch Anti-Diskriminierungs-Schutz nützte nicht

Tatsächlich engagiert sich Goldman Sachs gegen die Diskriminierung. Die Bank unterhält sogar eine firmeninterne Plattform, auf der sich Angestellte mit LGBTQ-Orientierungen vernetzen können. Littleton war im Netzwerk von Goldman Sachs sogar ein führender Kopf. Doch das nützte ihm offenbar aber nichts.

Im Mai 2018 wandte sich Littleton nach reiflicher Überlegung an eine firmeninterne Beschwerdestelle. Doch die legte die Vorfälle laut Klageschrift nach Rücksprache mit Littletons Chefinnen als Missverständnisse zu den Akten. Dafür soll ihm eine Vorgesetzte empfohlen haben, er solle sich doch um eine andere Stelle bei Goldman bemühen. Und bei seiner jährlichen Bewertung straften ihn die beiden Managerinnen erstmals ab und feuerten ihn schließlich am Jahresende wegen "Performance-Problemen".

Littleton wollte das nicht hinnehmen und wandte sich an Martin Chavez, einen Top-Manager der Bank und sein Mentor im firmeneigenen LGBTQ-Netzwerk. "Das tut mir so leid, Will", soll Chavez immer wieder gesagt haben. Zum Trost erzählte er ihm, wie er selbst nach seiner Beförderung diskriminiert wurde: "Ich schätze, die brauchten einen schwulen Latino im Management-Komitee" soll ein Goldman-Partner Chavez laut Klageschrift gesagt haben, als er in den erweiterten Vorstand der Bank aufstieg.

"Goldman versucht sich - vermutlich aus PR-Gründen - damit zu brüsten, eine für LGBTQ-Mitarbeiter freundliche Umgebung zu schaffen, aber die Wirklichkeit ist, dass das Engagement der Bank für LGBTQ-Vielfalt wenig mehr als ein Lippenbekenntnis ist", heißt es in der Klage. "Obwohl Goldman behauptet, dass der 'Kern unserer Anstrengungen auf der Kultivierung und Erhaltung einer vielfältigen Arbeitsumgebung und Mitarbeiterschaft liegt', sieht man an den Erfahrungen von Herrn Littleton, dass die alltägliche Realität diesem Anspruch nicht gerecht wird."

Quelle: n-tv.de