Volle Tanker stehen im WegGolfstaaten benötigen nach Kriegsende zwei Monate für stetigen Ölfluss

Der Iran-Krieg torpediert die globale Ölversorgung. Ein Waffenstillstand scheint in Reichweite. Ein Bericht der Internationalen Energieagentur kommt jedoch zu dem Schluss: Die Verwerfungen auf den globalen Märkten würden deutlich länger andauern.
Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) würde es nach einem Ende des Iran-Kriegs etwa zwei Monate dauern, bis die Golfstaaten wieder einen stetigen Ölfluss gewährleisten können. Das schreibt die in Paris ansässige Organisation in ihrem neuesten Monatsbericht zu den Entwicklungen auf den globalen Ölmärkten.
Demnach könnten die Golfstaaten knapp die Hälfte ihrer derzeit stillgelegten Öl-Förderkapazitäten innerhalb von zwei Wochen nach einem Waffenstillstand wieder in Betrieb nehmen. Das Niveau der Öllieferungen wäre aber auch nach einer dauerhaften Öffnung der Straße von Hormus anfangs niedrig: Laut IEA müssten die mit Öl beladenen Tanker, die seit dem 28. Februar im Persischen Golf ausharren, zunächst auslaufen und die Region verlassen. Erst im Anschluss könnten die vor der Meerenge wartenden Schiffe die Meerenge in die Gegenrichtung passieren und in den Häfen der Golfstaaten neue Lieferungen aufnehmen - zunächst aus den vollen Lagerstätten. Erst danach kann neu gefördertes Öl verladen werden.
Die Wiederbelebung der Ölförderung am Golf birgt jedoch zahlreiche Herausforderungen. Einige Tanker, die normalerweise Öl aus der Golfregion befördern, werden laut der IEA inzwischen in anderen Regionen der Welt eingesetzt. Die Energieorganisation warnt außerdem, dass sich die Wiederinbetriebnahme einiger Ölfelder aufgrund technischer Herausforderungen verzögern könnte, etwa weil der Druck zu niedrig ist: "Ein Teil der Produktion aus der Vorkriegszeit kann möglicherweise nicht wieder aufgenommen werden", so die IEA in ihrem Bericht. Weiterhin wurden mehr als Ölförderanlagen durch iranische Angriffe beschädigt, darunter Ölfelder, Raffinerien und Terminals.
Der Irak leidet am meisten
Der IEA sind die strategischen Ölreserven ihrer 32 Mitgliedstaaten anvertraut, darunter Deutschland. In ihrem Bericht schreibt sie, dass die Exporte aus der Golfregion im März um mehr als 10 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen sind. Von den Mitgliedsländern des Ölkartells Opec, die ihre Lieferungen durch die Straße von Hormus exportieren, erlitt der Irak den größten Einbruch: Die Fördermenge brach um 66 Prozent von 4,57 Millionen Barrel täglich auf 1,57 Millionen Barrel pro Tag ein.
Die saudische Fördermenge fiel um 3,15 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht einem Rückgang von 30 Prozent auf 7,25 Millionen Barrel täglich. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco konnte einen bedeutenden Teil seiner Exporte von der Golfküste über eine Pipeline an die Westküste umleiten und über das Rote Meer abtransportieren. Die Fördermenge Kuwaits halbierte sich auf 1,19 Millionen Barrel pro Tag. Die Fördermenge der Vereinigten Arabischen Emirate fiel um 35 Prozent auf 2,37 Millionen Barrel pro Tag.
Der einzige Golfstaat, der keine Einbußen vornehmen musste, war der Iran. Laut IEA blieb dessen Fördermenge im März mit 3,63 Millionen Barrel pro Tag weitgehend unverändert. Der Iran hatte die Straße von Hormus nach Kriegsbeginn durch die USA und Israel praktisch für die anderen Golfstaaten gesperrt.