Wirtschaft

KPMG soll Vorwürfe widerlegen Grenke verwahrt sich gegen Vergleich mit Wirecard

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Hat auch Grenke seine Zahlen frisiert?

(Foto: dpa)

Der britische Investor Fraser Parring warnt bereits bei Wirecard frühzeitig vor Unregelmäßigkeiten. Nun erhebt er ähnliche Vorwürfe gegen den deutschen Leasingkonzern Grenke. Die Unternehmensführung ist empört: "Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage."

Der Leasingkonzern Grenke will die gegen ihn erhobenen Betrugsvorwürfe mit einem Sondergutachten der Wirtschaftsprüfer von KPMG entkräften lassen. Das habe der Aufsichtsrat beschlossen, teilte das Unternehmen aus Baden-Baden in einer schriftlichen Stellungnahme mit. "Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet."

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Der Short-Seller Viceroy Research, hinter dem der britische Investor Fraser Parring steht, hatte das Franchising-System des Unternehmens in einem 64-seitigen Bericht als Betrugskonstrukt im großen Stil kritisiert und behauptet, ein großer Teil der im Geschäftsbericht aufgeführten finanziellen Mittel existiere nicht. Fraser Parring war auch bei Wirecard engagiert und hatte dort frühzeitig vor Unregelmäßigkeiten gewarnt. Der Zahlungsdienstleister war noch vor Kurzem im Dax notiert, musste aber wegen Bilanzmanipulation Insolvenz anmelden.

"Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage", erklärte Grenke-Chefin Antje Leminsky. "Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre."

Aktienkurs erholt sich leicht

An der Börse kamen die Stellungnahme des Vorstands und die Aussagen aus der Pressekonferenz gut an. Das im MDax notierte Unternehmen drehte ins Plus und legte zuletzt leicht auf 36 Euro zu. Damit erholte sich das Papier weiter von dem heftigen Absturz am Dienstag und Mittwoch infolge der Viceroy-Vorwürfe. Der Kurs sackte zeitweise unter die Marke von 24 Euro.

Trotz der seitdem eingesetzten Erholung liegt das Papier aber weiter deutlich unter dem Niveau, das es vor der Attacke des Leerverkäufers Viceroy hatte, als die Aktie noch rund 55 Euro kostete. Unternehmenschefin Leminsky geht aber davon aus, dass sich der Aktienkurs wieder erholen wird. Sie bedauerte, dass Viceroy vorher keinen Kontakt aufgenommen habe und das Unternehmen daher unvorbereitet in diese Situation geschlittert sei.

Die Vorwürfe sind auch deshalb heikel, weil Viceroy mit der Geschichte - wie in anderen Fällen zuvor - selbst wohl eine Menge Geld verdient. Mit sogenannten Leerverkäufen hat die Investorengruppe auf den Absturz der Grenke-Aktie gewettet und macht daraus auch keinen Hehl. Kommende Woche will Grenke entscheiden, ob und gegebenenfalls welche rechtlichen Schritte es gegen Viceroy einleitet.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/DJ