Finanzziele vorgezogenGroßbank Standard Chartered ersetzt Tausende Jobs durch KI

"Weniger wertvolles Humankapital ersetzen" - damit umschreibt die Großbank Standard Chartered einen massiven Sparkurs. Gut jede siebte Stelle soll wegfallen. Die Aufgaben übernimmt die KI. So sollen Gewinn und Dividende steigen.
Die britische Großbank Standard Chartered will ihre Profitabilität mit einem umfassenden Stellenabbau steigern und hat dafür ein neues Renditeziel ausgegeben. Bis 2030 sollen mehr als 15 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen, was über 7000 Jobs entspricht, wie das auf Asien und Afrika fokussierte Institut mitteilte. Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) sollten einfache Arbeiten ersetzen. Die Eigenkapitalrendite (ROTE) soll im Gegenzug bis 2028 auf mehr als 15 Prozent und bis 2030 auf rund 18 Prozent steigen. "Es geht hierbei nicht um reine Kostensenkungen", sagte Bankchef Bill Winters. "Es geht darum, in manchen Fällen weniger wertvolles Humankapital durch das Finanzkapital und das Investitionskapital zu ersetzen, das wir einsetzen."
"Wir investieren in Fähigkeiten, die unsere Wettbewerbsvorteile verstärken und nachhaltiges Wachstum sowie qualitativ hochwertigere Renditen im Laufe der Zeit ermöglichen, mit klar definierten Zielen", sagte Winters. Einer der Schwerpunkte wird das Vermögens- und Privatkundengeschäft sein, in das StanChart nach eigenen Angaben überproportional investieren wird.
Wegen dieses Segments werde der Zeitplan für die zuvor genannten Finanzziele auf 2028 von 2029 vorgezogen, verkündete die Bank. Angestrebt werden im Vermögens- und Privatkundengeschäft nun insbesondere 200 Milliarden US-Dollar an Netto-Neugeldern. Die Einkünfte aus dem gehobenen Kundensegment sollen überdies 75 Prozent am Gesamtumsatz ausmachen.
Das in London und Hongkong gelistete Kreditinstitut hat sich zudem zum Ziel gesetzt, das Einkommen pro Mitarbeiter bis 2028 um rund 20 Prozent zu steigern. Dazu soll der Abbau von mehr als 15 Prozent aller Backoffice-Stellen bis 2030 beitragen. Weitere Ziele sind ein jährliches Gewinnwachstum je Aktie im hohen Zehnerprozentbereich von 2025 bis 2028 sowie eine Dividendenausschüttungsquote von mindestens 30 Prozent mit einer progressiven Dividende je Aktie.
Die in London notierten Aktien der Bank, die in den vergangenen zwölf Monaten bereits um 65 Prozent zugelegt hatten, gaben leicht nach. Analysten merkten an, dass die neu gesteckten Ziele eher am konservativen Ende ihrer Erwartungen lägen. "In einer Welt voller Ungewissheit könnte sich die künftige Geschäftsentwicklung als anspruchsvoller erweisen", kommentierte Ed Firth, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods. Er verwies darauf, dass die Bank in den vergangenen Jahren maßgeblich von hohen Zinsen und massiven Kapitalzuflüssen profitiert habe.
StanCharts Vorstoß zur Optimierung der Abläufe und zur Eindämmung der Kosten spiegelt einen globalen Trend wider: Immer mehr Unternehmen weltweit bauen Stellen ab, indem sie KI nutzen, um ihre Effizienz zu steigern. So kündigte beispielsweise das japanische Kreditinstitut Mizuho im März an, über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu 5000 Arbeitsplätze abzubauen. Und Banken weltweit bemühen sich fieberhaft darum, modernste KI-Modelle zu integrieren und sich gegen zunehmende Cyberbedrohungen zu wappnen.