Wirtschaft

Kurz vor Hormus-ÖffnungHändler setzten 760 Millionen auf fallende Ölpreise

18.04.2026, 11:23 Uhr
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Fallende Ölpreise waren eigentlich nicht zu erwarten. (Foto: dpa)

Ein gigantischer Öl-Deal sorgt in den USA für Alarm: Minuten vor der überraschenden Öffnung der Straße von Hormus setzen Händler Hunderte Millionen Dollar auf fallende Preise - und liegen genau richtig. Nun ermittelt die Börsenaufsicht.

Ein neuer Verdacht auf Insiderhandel beschäftigt die US-Börsenaufsicht. Er betrifft Wetten auf fallende Ölpreise kurz vor der zeitweisen Öffnung der Straße von Hormus.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wurden am 17. April zwischen 14.24 und 14.25 Uhr deutscher Zeit 7.990 sogenannte Brent-Futures verkauft. Dabei handelt es sich um Terminverträge, bei denen sich Käufer und Verkäufer auf einen künftigen Ölpreis einigen. Die Händler wetteten darauf, dass der Ölpreis fällt. Es handelte sich laut Reuters um die größte Einzelbewegung an diesem Tag. Der Gesamtwert der Transaktion lag bei rund 760 Millionen Dollar.

Um 12.45 Uhr verkündete der iranische Außenminister Abbas Araghtschi dann auf X, dass die Straße von Hormus für die verbleibende Dauer des Waffenstillstands für alle Handelsschiffe vollständig geöffnet sei. US-Präsident Donald Trump bestätigte die Öffnung des wichtigen Handelsweges kurz darauf auf seiner Plattform Truth Social.

Der Markt reagierte unmittelbar auf diese Einigung. Der Preis für die Nordsee-Rohölsorte Brent fiel auf 88,73 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI auf 84,44 Dollar. Heizöl verbilligte sich um etwa zehn Prozent, Benzin um rund fünf Prozent. Es war den Angaben zufolge das zweitgrößte Tages-Minus am Ölmarkt seit Beginn des Iran-Krieges.

Verdacht der Manipulation

In den vergangenen Monaten hatte es mehrfach Transaktionen gegeben, die entweder auf extrem gutes Timing oder auf Insiderinformationen schließen lassen. Am 7. April wurden nur wenige Stunden vor der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran Wetten im Wert von rund 950 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Am 23. März verkauften Investoren Öl-Futures im Wert von 500 Millionen US-Dollar, 15 Minuten bevor US-Präsident Trump die Verschiebung der Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur ankündigte, was einen Einbruch des Rohölpreises um 15 Prozent auslöste.

Insgesamt geht es damit um Geschäfte über mehr als 2,2 Milliarden Dollar, die jeweils nur Minuten oder Stunden vor politisch heiklen Entscheidungen abgewickelt wurden. Mehrere Experten äußerten sich bereits besorgt, dass kriegerische oder diplomatische Entscheidungen einigen Händlern einen Vorteil auf den volatilen und undurchsichtigen Derivatemärkten verschaffen könnten.

Die US-Kommission CFTC leitete Ermittlungen ein. Die Bundesbehörde ist für die Regulierung von Terminmärkten zuständig und schützt Marktteilnehmer vor Betrug und Manipulation. Die größten Rohstoffbörsen CME und ICE sollen nun detaillierte Handelsdaten liefern. David Miller, der Leiter der CFTC-Vollzugsabteilung, nannte Insiderhandel im Energiemarkt "besonders schädlich", weil er Verbraucher über höhere Preise und Inflation treffe. Die US-Regierung wies jede Beteiligung an möglichen Informationslecks zurück, Sprecher Kush Desai sprach von "haltlosen und unverantwortlichen" Vorwürfen.

Quelle: ntv.de, sba

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