Neuer Verdacht auf InsiderhandelHegseths Broker soll kurz vor Kriegsbeginn Großinvestment in Rüstung versucht haben

Vor dem Angriff auf den Iran will ein Börsenmakler laut einem Zeitungsbericht Millionen in einen Rüstungs-ETF stecken - im Auftrag des US-Verteidigungsministers. Der Deal scheitert. Es wäre nicht das erste Finanzgeschäft zu einem auffälligen Zeitpunkt.
Ein Broker von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat in den Wochen vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran versucht, eine große Investition in bedeutende Rüstungsunternehmen zu tätigen. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Sprecher des Pentagons wies die Darstellung umgehend zurück.
Hegseths Broker bei der Investmentbank Morgan Stanley habe den Vermögensverwalter Blackrock im Februar kontaktiert, um eine Investition in Höhe von mehreren Millionen Dollar in den "Defense Industrials Active ETF" des Vermögensverwalters zu tätigen, sagten die Quellen der Zeitung. Der Pentagon-Sprecher schrieb bei X: "Diese Behauptung ist völlig falsch und erfunden. Weder Minister Hegseth noch einer seiner Vertreter hat Blackrock bezüglich einer solchen Investition angesprochen." Die beiden Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.
Das geplante Investment kam dem Bericht zufolge nicht zustande, weil der Fonds Morgan-Stanley-Kunden noch nicht zur Verfügung stehe. Es sei nicht bekannt, ob eine ähnliche Investition in einen anderen Fonds stattgefunden habe.
Eine solche Geldanlage wäre nicht das erste auffällige Finanzgeschäft kurz vor folgenschweren Entscheidungen der US-Regierung. Auffällig gut platzierte Wetten im Vorfeld überraschender politischer Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump haben Experten auf den Plan gerufen. Das extrem präzise Timing weckt bei Fachleuten den Verdacht, dass Händler über geheimes Vorwissen verfügt haben könnten. Unbekannte Akteure haben möglicherweise Millionenbeträge verdient.
Die Nachrichtenagentur Reuters hat mindestens vier Fälle ausgemacht, in denen Händler kurz vor überraschenden Ankündigungen von Trump ungewöhnlich große und zeitlich exakt passende Wetten an den Finanzmärkten eingingen. Diese Ankündigungen - etwa zu Zöllen, Venezuela oder dem Iran - lösten erhebliche Kursbewegungen aus, von denen die betreffenden Händler stark profitierten.
Verschobener Iran-Angriff (23. März 2026): Unbekannte Händler platzierten innerhalb einer einzigen Minute Wetten im Umfang von 500 Millionen Dollar auf fallende Ölpreise. Kurz darauf gab Trump eine fünftägige Verschiebung geplanter Angriffe auf die iranische Energie-Infrastruktur bekannt. Der Ölpreis stürzte daraufhin um 15 Prozent ab.
Tötung Chameneis (28. Februar 2026): Sechs Konten erzielten einen Gesamtgewinn von 1,2 Millionen Dollar mit Wetten auf die Tötung des iranischen Revolutionsführers und geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei. Laut Analysefirma Bubblemaps wurden diese Konten erst wenige Stunden vor den Angriffen mit Geld gefüllt.
Festsetzung Maduros (3. Januar 2026): Ein anonymer Nutzer erzielte einen Gewinn von rund 410.000 Dollar mit einer Wette von nur etwa 34.000 Dollar. Er hatte auf den als sehr unwahrscheinlich geltenden Fall gesetzt, dass der venezolanische Präsident Nicolás Maduro noch im Januar von US-Spezialkräften festgesetzt würde.
Ausgesetzte Zölle (9. April 2025): Wenige Minuten vor Trumps Ankündigung, Zölle auszusetzen, wurden mit Optionen Millionen auf eine Erholung des Aktienmarktes gesetzt. Nachdem Trump dann die Zollpause angekündigt hatte, schossen die Börsenkurse in die Höhe. Eine Investition von 2,14 Millionen Dollar hatte nach dem Kurssprung auf dem Papier einen Wert von rund 21,4 Millionen Dollar.
Laut Andrew Verstein, einem Experten für Insiderhandel an der juristischen Fakultät der Universität von Kalifornien in Los Angeles, sehen die Geschäfte "zutiefst verdächtig" aus. Die festgestellten Muster entsprächen dem, was man "erwarten würde, wenn es Handel auf Basis von Insiderinformationen durch Regierungsbeamte und ihren Freunden gäbe", so Verstein.