Über eine Million Dollar GewinnInsider erzielen mit Wetten zum Krieg Traumrenditen

Zum wiederholten Mal wetten mutmaßliche Insider mit Wissen über US-Militäraktionen erfolgreich auf Krypto-Plattformen. Das ruft nicht nur moralische Empörung hervor, sondern auch Sicherheitsbedenken. Auch Präsidentensohn Donald Jr. verdient bei dem umstrittenen Geschäft mit.
Auch wenn US-Präsident Donald Trump seine Kriegsdrohungen zuletzt verschärft hatte, war der Zeitpunkt der ersten Luftangriffe und die Tötung des geistlichen Oberhaupts der Islamischen Republik für die meisten Menschen nicht vorhersehbar. Zum Kreis derjenigen, die in den militärischen Plan eingeweiht waren, gehörten offenbar "dicedicedice" und "Magamyman". Der Krypto-Analysefirma Bubblemaps zufolge setzten die beiden User kurz vor den ersten Luftschlägen auf der Online-Plattform Polymarket große Summen auf den Beginn des Angriffs. "Dicedicedice" war sich seiner Sache so sicher, dass er 30.000 Dollar einsetzte, was ihm einen Gewinn von rund 120.000 Dollar einbrachte.
Als "Magamyman" seine Wette platzierte, preiste Polymarket anhand der übrigen Wetten die Wahrscheinlichkeit für den Kriegsbeginn am selben Tag mit gerade einmal 17 Prozent ein. Doch der Nutzer hinter dem Pseudonym hatte offenkundig bessere Informationen: Er setzte rund 87.000 Dollar und strich einen Gewinn von rund 235.000 Dollar ein. Zusätzlich setzte er auch bei der Frage, ob Irans geistliches Oberhaupt Ali Khamenei bald "nicht mehr an der Macht" sein würde und verdiente Berichten zufolge noch einmal mehr als 500.000 Dollar.
Neben "dicedicedice" und "Magamyman" identifizierten Analysten und US-Medien noch weitere Nutzerkonten, die auf Polymarket mit mutmaßlichem Indsiderwissen zum Beginn des Iran-Kriegs und der Tötung Khameneis am Samstag vermutlich mehr als eine Million Dollar Gewinn machten. Auf der Wett-Plattform Kalshi waren ähnliche Aktivitäten zu beobachten. Wer hinter den Nutzernamen steckt, ist unbekannt. Um auf Polymarket und Kalshi zu wetten, ist lediglich eine sogenannte Wallet für Kryptowährungen erforderlich. Die Nutzer selbst bleiben anonym. Verdächtig im Fall der Kriegsgewinner ist, dass ihre Nutzerkonten erst kurz zuvor offenbar speziell für diese Wetten eingerichtet wurden.
Es ist nicht das erste Mal, dass Insider ihr Wissen über Trumps Entscheidungen auf entsprechenden Plattformen zu Geld machen. So erzielte etwa ein anonymer Trader vor der Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte im Januar mit einer kurzfristig verdoppelten Wette über 400.000 US-Dollar Gewinn.
In den USA sorgten die jüngsten Insiderwetten für einen öffentlichen Aufschrei. Für Empörung sorgte nicht nur, dass mutmaßlich Mitglieder des engsten Kreises um Präsident Trump ihr Insiderwissen zu Geld gemacht hatten. Die Kritik richtet sich zudem gegen das Anbieten von Wetten auf Krieg, Gewalt und den Tod von Menschen. Unter anderem bezeichnete der demokratische Senator Chris Murphy es auf X als "wahnsinnig", dass es legal sei, von "Krieg und Tod" zu profitieren. Er kündigte umgehend Gesetzesinitiativen für ein Verbot solcher Wetten an.
Neben der moralischen Bewertung stellen sich auch Sicherheitsfragen. Die sogenannten Prediction Markets wie Polymarket und Kalshi nehmen für sich in Anspruch, bevorstehende Entwicklungen durch die "Weisheit der Masse" vorhersagen zu können, wobei Insiderwissen eine Rolle spielt, um den Markt in eine realistische Richtung zu lenken. Wetten Insider mit militärischem Geheimwissen, könnten jedoch bevorstehende Operationen durch Kursausschläge auf den Plattformen verraten werden. Vor wenigen Wochen wurden in Israel mehrere Reservisten festgenommen, weil sie vertrauliche Informationen genutzt haben sollen, um auf Polymarket Wetten gegen den Iran zu platzieren.
Unabhängig davon, wer den Millionengewinn am vergangenen Samstag eingestrichen hat, verdient die Familie Trump an dem umstrittenen Geschäft kräftig mit. Präsidentensohn Donald Jr. ist Investor und Berater bei Kalshi sowie Berater bei Polymarket. Beiden Plattformen hatten die Aufsichtsbehörden massive Regelverstöße vorgeworfen. Nach dem Einstieg von Donald Jr. waren alle Untersuchungen eingestellt worden. Kalshi, Polymarket und ein Sprecher des Präsidentensohns wiesen den Verdacht, dass dieser Einfluss auf die Entscheidung der Behörden genommen haben könnte, entschieden zurück.