Wirtschaft

Firmenjet im Internet verfolgt Hedgefonds erahnen Milliardenfusion

Der US-Konzern Johnson & Johnson schluckt ein Schweizer Unternehmen für mehrere Milliarden Dollar. Hedgefonds bekommen im Vorfeld Wind von dem Deal - weil sie den Firmenjet der Amerikaner im Internet beobachten.

Mega-Übernahmen werden in der Regel im Geheimen auf den Weg gebracht. Doch die größte Verschwiegenheit nützt nichts, wenn eine Verhandlungsdelegation den Firmenjet unweit der Konzernzentrale des begehrten Unternehmens parkt - und jemand auf die Idee kommt, im Internet nachzusehen, wo sich dieser Flieger befindet.

Genau das ist passiert, als der US-Konzern Johnson & Johnson und das Schweizer Biotechnologieunternehmen Actelion über eine Übernahme verhandelten. In der vergangenen Woche habe die Gulfstream der Amerikaner mehrere Tage auf dem Flughafen Basel und damit unweit der Zentrale von Actelion gestanden - und das sei verschiedenen Hedgefonds aufgefallen, wie die Finanznachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf Hedgefondsmanager berichtet, die den Flieger im Internet verfolgt haben.

Dass J&J einen Kauf von Actelion in Erwägung gezogen hatte, war bei Hedgefonds schon länger im Gespräch. Doch als der Firmenflieger am 15. Januar in Basel landete und dort drei Tage blieb, wetteten "Bloomberg" zufolge mindestens drei Fonds auf die Übernahme, indem sie weitere Actelion-Aktien kauften. Und das hat sich gelohnt. Als der 30 Milliarden Dollar schwere Deal am Donnerstag bekanntgegeben wurde, verteuerten sich die Aktien um fast 20 Prozent - und damit um insgesamt 44 Prozent in den vergangenen sechs Wochen.

Wie viel Geld die Fonds exakt verdient haben, ist unklar. Denn es ist nicht bekannt, wie viele Aktien sie bei Bekanntgabe des Deals besaßen. Die aktuellsten Zahlen sind von Ende Dezember: Der Fonds Och-Ziff hatte den Angaben zufolge Actelion-Aktien im Wert von 767 Millionen Franken (717 Millionen Euro). Die Wette von Eton Park hatte ein Volumen von 500 Millionen Franken und die von Elliott Management von 200 Millionen Franken. Doch sie dürften danach noch zugekauft haben.

In Sachen Geheimhaltung ist es für Konzernchefs vielleicht ratsam, künftig den Linienflieger zu nutzen.

Quelle: n-tv.de, jga