Wirtschaft

Spekulation über neues Rettungspaket Hellas beunruhigt Investoren

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Anhänger der Radikalen Linken (Syriza) bei einer Wahlkundgebung in Athen.

(Foto: AP)

Die Griechen wählen am kommenden Sonntag ein neues Parlament - der Aufgang des Urnengangs ist völlig offen. Investoren befürchten instabile politische Verhältnisse. Das Risiko von Rückschritten im Reform- und Sparprozess könnte steigen, schreiben Analysten der Landesbank Berlin. Auch ein etwaiger Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist möglich.

Die Furcht vor einer instabilen Regierung nach der hat das Misstrauen der Investoren in die Reformkraft des Mittelmeerlandes noch einmal spürbar erhöht. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen aus Athen zog zum Wochenausklang an und bewegte sich knapp unter 21 Prozent. Mitte März - kurz nach der Einigung auf einen Schuldenschnitt - war die Rendite zeitweise unter 18 Prozent gefallen.

Der griechische Aktienmarkt verzeichnete sehr dünne Umsätze. Händlern zufolge trauten sich Investoren am letzten Handelstag vor den Wahlen am Sonntag nicht aus der Deckung. "All unsere Kunden rufen uns an und wollen von uns wissen, wie sie sich bei welchem Wahlausgang positionieren sollen. Heute traut sich niemand, irgendetwas zu tun", sagte ein Händler in Athen.

Nach dem Rücktritt von Giorgos Papandreou Mitte November hatte der frühere EZB-Vize Loukas Papademos vorübergehend das Regierungsruder übernommen. Die vorgezogene Wahl wurde angesetzt, nachdem die Übergangsregierung den Schuldenerlass ausgehandelt und ein zweites internationales Rettungspaket gesichert hatte. Nun können die etablierten Parteien - die konservative Nea Dimokratia und die sozialistische Pasok - von Glück reden, falls ihre Stimmen für eine Koalitionsregierung reichen. Zu viele Wähler machen sie für die Misere der Schuldenkrise verantwortlich.

Investoren sehen daher der Wahl mit großer Sorge entgegen. "Sollte die aktuelle Koalition nicht weiterregieren können, steigt das Risiko von Rückschritten im Reform- und Sparprozess", schreiben die Analysten der Landesbank Berlin. Auch andere Reformländer dürften dann wieder verstärkt in den Fokus der Anleger geraten. "Wenn das jetzt in Griechenland schief geht, dann wird das einen Dominoeffekt auf Spanien haben und dürfte im Endeffekt auch Italien mitziehen", sagte ein Analyst. In der Folge dürften die Renditen auf Staatsanleihen aus diesen Ländern wieder deutlich anziehen. Bundesanleihen könnten dagegen als vermeintlich sichere Häfen einen nochmaligen Nachfrageboom erleben, hieß es.

Trübe Perspektiven für den Euro

Die Gemeinschaftswährung wird angesichts der vielen Unsicherheitsfaktoren noch einige Zeit als riskante Anlage eingestuft und vergleichsweise wenig nachgefragt werden, sagen Händler. Aktuell lasten auch der unklare Ausgang der Präsidentschaftswahlen in Frankreich sowie die Regierungskrise in den Niederlanden auf dem Euro.

Nicht wenige Analysten spekulieren zudem schon seit einiger Zeit darüber, dass Athen ein neues Rettungspaket benötigen und damit die Geduld seiner europäischen Nachbarn überstrapazieren könnte. "Das Risiko, dass eine frustrierte Staatengemeinschaft Griechenland den Geldhahn zudreht, ist substanziell", bringt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, die Einschätzung vieler Kollegen auf den Punkt. Ein sei deshalb noch nicht vom Tisch.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte die Griechen vor der Wahl einer Regierung, die die Sparauflagen der EU ablehnen könnte. Auch die künftige Regierung müsse zu den Verpflichtungen des Landes stehen, mahnte der CDU-Politiker. Es gebe einen wachsenden Anteil radikaler Parteien in Griechenland, die die Verpflichtungen nicht akzeptieren wollten. Wenn die Griechen bei der Wahl am Sonntag eine Mehrheit wählen sollten, die nicht zu den Vereinbarungen stehe, werde ihr Land die Folgen zu tragen haben.

Quelle: ntv.de, wne/rts