Wirtschaft

Hohe Spritpreise schrecken abNachfrage nach E-Gebrauchtwagen schnellt in die Höhe

27.03.2026, 19:37 Uhr
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Strom zu tanken wird durch die Folgen des Iran-Kriegs plötzlich attraktiver. (Foto: dpa)

Infolge des Iran-Kriegs erhalten Autohändler deutlich mehr Anfragen nach gebrauchten E-Autos, vor allem in Pendler-Regionen. Dabei handelte es sich bisher um Ladenhüter. In einigen Ländern steigen sogar schon die Verkäufe.

Die hohen Spritpreise bringen den Markt für gebrauchte Elektroautos in Schwung. Die großen Online-Handelsplattformen in mehreren europäischen Märkten berichten seit Beginn des Iran-Kriegs von einem deutlich höheren Interesse an Second-Hand-Fahrzeugen als vor Beginn der Kämpfe. So hat sich der Anteil der E-Auto-Suchen auf der größten deutschen Plattform Mobile.de seit Monatsbeginn auf gut ein Drittel fast verdreifacht, sagte ein Mobile.de-Sprecher. "Gleichzeitig erhalten Autohändler 66 Prozent mehr Anfragen nach gebrauchten Stromern als noch im Februar."

Vor allem in Regionen mit vielen Pendlern spürten die Autohändler ein wachsendes Interesse an gebrauchten E-Autos, sagte Burkhard Weller, Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands (VAD). "Viele Interessenten sehen im gebrauchten Elektroauto vor dem Hintergrund der mittlerweile sehr hohen Treibstoffpreise eine attraktive und kostengünstige Alternative."

Bislang waren Elektroautos auf dem Gebrauchtwagenmarkt Ladenhüter, viele Händler weigerten sich ganz, die Fahrzeuge ins Programm zu nehmen. Geringe Reichweiten, die Sorge, dass die teure Batterie vorzeitig an Leistung verliert und zu hohen Kosten ausgetauscht werden muss sowie die großen Sprünge beim technischen Fortschritt hielten die Käufer ab. Doch das scheint sich nun geändert zu haben. Bei Weller, der die größte BMW-Handelsgruppe in Deutschland betreibt, legte der Anteil der gebrauchten BMW-Elektroautos bis Mitte März leicht auf 13,6 Prozent zu.

Es ist kein rein deutsches Thema, auch wenn die Spritpreise hier höher sind als in vielen anderen europäischen Ländern. Nach Angaben des Plattformbetreibers Olx aus Amsterdam stiegen die Suchen nach E-Autos in Frankreich um 50 Prozent, in Rumänien um 40 Prozent, in Portugal um 54 Prozent oder in Polen um 39 Prozent. Von Woche zu Woche nehme in allen Märkten das Interesse zu. "Besonders interessant ist, dass das Interesse an Elektroautos schon vor den jüngsten Ereignissen gestiegen ist", sagte Olx-Chef Christian Gisy.

Ähnlicher Effekt nach Angriff auf Ukraine

In einigen Ländern liegen bereits Absatzdaten vor. Daten von Marketcheck zeigen für Großbritannien einen "klaren und anhaltenden Anstieg" bei gebrauchten Elektroautos seit Ausbruch des Krieges. In Frankreich verdoppelte sich der Anteil der verkauften Elektroautos beim Online-Gebrauchtwagenhändler Aramisauto in der Woche vom 9. März auf 12,7 Prozent. Einen ähnlichen Effekt habe es schon 2022 gegeben, als nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine der Energiepreis nach oben schnellte, sagte Aramisauto-Chef Romain Boscher. "Sobald Benzin mehr als zwei Euro je Liter kostet, macht das bei den Menschen einen bleibenden Eindruck."

Ähnlich sieht es in Skandinavien aus. Die großen Online-Gebrauchtwagenbörsen, die zur norwegischen Vend-Gruppe gehören, berichten einhellig über einen deutlichen Absatzanstieg. "Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos ist derzeit eine Goldgrube", sagte Terje Dahlgren von Finn.no. Auf der norwegischen Website haben Elektroautos Dieselfahrzeuge inzwischen überholt. In Norwegen sind allerdings E-Autos schon jetzt deutlich weiter verbreitet als in vielen anderen europäischen Ländern, bei Neuwagen spielen dort Verbrenner de facto keine Rolle mehr.

Auch in Schweden und Dänemark legte der Absatz von gebrauchten E-Autos deutlich zu, wie die dortigen Plattformen berichten. "Wir sehen einen deutlichen Wandel, mehr Menschen suchen aktiv nach energiesparenden Alternativen", sagte Blocket-Experte Marcin Stepman.

Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft warnte allerdings für Deutschland vor voreiligen Hoffnungen, dass der lange schwächelnde E-Gebrauchtwagenmarkt nun tatsächlich in Schwung kommt. "Die Frage ist jetzt, wie lange die Phase mit hohen Spritpreisen anhält", sagte er. "Wenn es in den kommenden Monaten so weitergeht, kann es zu einem höheren Absatz auf dem Gebrauchtwagenmarkt führen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch schwierig zu sagen." 

Quelle: ntv.de, Christina Amann, Gilles Guillaume, Marie Mannes, rts

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