Wirtschaft

Kapitalgeber der Biotech-Branche Hopps Milliarden-Hoffnung heißt Curevac

Curevac entwickelt Botenstoffe, die dem Immunsystem ermöglichen, selbst Krankheitserreger zu bekämpfen.

Bislang arbeitet Curevac an Mitteln gegen Tollwut, Lassafieber oder Gelbfieber.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit dem Software-Konzern SAP verdiente Dietmar Hopp Milliarden. Einen beachtlichen Teil davon steckte er in Medizin-Startups. Mit mäßigem Erfolg. Die Tübinger Firma Curevac macht der Welt nun Hoffnung auf einen Coronavirus-Impfstoff - und Hopp darauf, sein Geld wiederzusehen.

Seinen Reichtum verdankt Dietmar Hopp seinem Anteil an dem von ihm mitgegründeten Software-Riesen SAP, seine Beliebtheit vor allem in seiner Heimat im nördlichen Baden-Württemberg seiner Stiftung, die schon Hunderte Millionen Euro für wohltätige Zwecke ausgab. Zweifelhaften Ruhm brachte dem Milliardär zuletzt sein umstrittenes Investment in den Fußballverein TSG Hoffenheim ein. Dass Hopp einer der wichtigsten Köpfe der Biotech-Branche in Deutschland ist, war außerhalb von Fachkreisen dagegen kaum bekannt - bislang. Berichte, dass die US-Regierung versuche, sich das Exklusivrecht an einem möglichen Corona-Impfstoff der Firma Curevac zu sichern, und die Weigerung von Hauptinvestor Hopp, darauf einzugehen, machten das Tübinger Unternehmen schlagartig berühmt.

Das Verfahren, mit dem Curevac arbeitet, gilt als einer von mehreren vielversprechenden Ansätzen, schnell einen Impfstoff gegen den neuen Erreger Sars-CoV2 zu entwickeln, der sich derzeit rasend schnell in Europa, den USA und vielen anderen Ländern ausbreitet. Das mehrfach ausgezeichnete Unternehmen besitzt eine Technologie, mit dem Impfungen gegen verschiedenste Krankheiten hergestellt werden können. Man müsse sich das vorstellen wie einen Steckbrief, erklärte Produktionschef Florian von der Mülbe ntv vor einigen Wochen. "Ein Steckbrief enthält die Beschreibung des Täters und ein Alarmsignal. Genauso funktioniert unser Botenstoff. Wir geben diese Information, wie das Virus aussieht dem Körper. Und die Polizei des Körpers, das Immunsystem, weiß genau, wogegen sie vorgehen soll."

Bislang arbeitet Curevac unter anderem im Auftrag der internationalen Impfstoffallianz CEPI an Mitteln gegen Tollwut, Lassafieber oder Gelbfieber. Diese Krankheiten fordern vor allem in Entwicklungsländern viele Menschenleben und stehen bei den großen Pharmakonzernen relativ weit unten auf der Prioritätenliste. Aber auch Krebs lässt sich mit dem Verfahren bekämpfen, wie das Unternehmen erklärt. Ende Januar bekam Curevac von CEPI mehrere Millionen Euro, um möglichst schnell einen Impfstoff gegen das kurz zuvor erstmals aufgetretene neue Coronavirus zu entwickeln.

Hopps Investment ist keine Erfolgsstory

Anders als die teils enthusiastischen Berichte über Curevac nun vermuten lassen, ist Dietmar Hopps Investment in die Biotech-Branche bislang alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Rund 1,4 Milliarden Euro, so viel wie kein anderer in Deutschland, investierte er nach eigenen Angaben bereits in solche Startups, die mit unterschiedlichsten Technologien die Medizin revolutionieren wollten. Anders als etwa in den USA gibt es in Deutschland nur wenige Geldgeber, die Kapital für solche innovativen, aber auch riskanten Investitionen bereitstellen. Diese Lücke wollte Hopp mit seiner Biotech-Holding "Dievini" schließen - und scheiterte gleich mehrfach spektakulär. Einige von Hopp mit Millionen finanzierte Firmen wie GCP, Agennix, Febit gingen komplett unter.

Viel Häme habe er deswegen ertragen müssen, erklärte Hopp vor gut einem Jahr in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Heute ist "Dievini" noch an einem Dutzend Unternehmen beteiligt. Sie entwickeln nicht nur Impfstoffe oder neuartige Medikamente, sondern auch Datenbanken oder Software, die die medizinische Forschung und Behandlungsmethoden vorantreiben. Hopp gab sich in dem Interview zuversichtlich, dass sich seine Investitionen am Ende rentieren werden. "Wir werden unseren Einsatz verdreifachen", prophezeite er. Insbesondere auf Curevac setzte er große Hoffnungen. Das Potenzial von dessen Technologie sei größer als das des Branchen-Pioniers Genentech. Das Tochterunternehmen des Pharmariesen Roche gilt als das vielleicht erfolgreichste Biotech-Startup der Welt.

Quelle: ntv.de