IEA gibt Notreserven frei US-Ölkonzerne warnen Trump vor verschärfter Energiekrise

Im Weißen Haus herrscht Alarmstimmung. Wegen der gesperrten Straße von Hormus befürchten die Chefs der US-Ölriesen weitere Härten bei den Energiepreisen. Die Internationale Energieagentur flutet den Markt mit 400 Millionen Barrel an Notreserven.
Die Chefs der führenden US-Ölkonzerne haben die Regierung von Präsident Donald Trump einem Zeitungsbericht zufolge vor einer Verschärfung der Energiekrise gewarnt. In Gesprächen im Weißen Haus hätten die Spitzen von Exxon Mobil, Chevron und ConocoPhillips deutlich gemacht, dass die Störungen in der Straße von Hormus die weltweiten Märkte weiter belasten würden, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider.
In Asien starteten die Ölpreise mit deutlichen Aufschlägen in die neue Handelswoche. Rohöl der Nordseesorte Brent verteuerte sich im frühen asiatischen Handel um 2,76 Dollar oder 2,7 Prozent auf 105,90 Dollar je Fass. Am Freitag hatte der Kontrakt bereits 2,68 Dollar zugelegt. Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI kletterte um 2,29 Dollar oder 2,3 Prozent auf 101,00 Dollar. In der vorangegangenen Sitzung hatte WTI fast drei Dollar gewonnen.
Angesichts des seit zweieinhalb Wochen andauernden Kriegs der USA und Israels gegen den Iran fürchten Anleger Schäden an der Ölinfrastruktur und eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus. Die Sperrung der strategisch wichtigen Meerenge, durch die in Friedenszeiten ein Fünftel der weltweiten Ölförderung transportiert wird, stellt eine massive Störung der Versorgung dar. Der Iran hatte erklärt, mit der Blockade der Straße von Hormus müsse sich die Welt auf einen Ölpreis von 200 Dollar pro Barrel einstellen.
400 Millionen Barrel sofort verfügbar
Um den Preisanstieg zu bremsen, gab die Internationale Energie-Agentur (IEA) Einzelheiten zur Freigabe von mehr als 400 Millionen Barrel Öl aus ihren Notreserven bekannt. Demnach stehen die Reserven aus Asien und Ozeanien sofort zur Verfügung. Die Bestände aus Europa und Amerika sollen Ende März folgen. Insgesamt hätten die Regierungen die Freigabe von 411,9 Millionen Barrel zugesagt. Davon stammten 271,7 Millionen Barrel aus Regierungsbeständen und 116,6 Millionen aus vorgeschriebenen Industriebeständen. Der Großteil der zugesagten Reserven - 195,8 Millionen Barrel - komme von Mitgliedsländern aus Nord- und Südamerika. Asien und Ozeanien trügen insgesamt 108,6 Millionen Barrel bei, Europa 107,5 Millionen Barrel. Deutschland hat sich bereiterklärt, 19,51 Millionen Barrel beisteuern.
Die westlichen Volkswirtschaften koordinieren ihre strategischen Ölreserven über die IEA, die 1974 nach der Ölkrise gegründet wurde. Dies ist die sechste koordinierte Freigabe von Reserven seit Gründung der Agentur. Die IEA-Mitglieder verfügen über Notreserven von mehr als 1,2 Milliarden Barrel. Die Freigabe strategischer Reserven ist die größte in der Geschichte der Organisation. Sie übertrifft die Freigabe von knapp 183 Millionen Barrel nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 deutlich.