Wirtschaft

Im Fall eines harten WintersING-Ökonom warnt vor drohender Gasmangellage

30.08.2026, 06:55 Uhr
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Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur rund zur Hälfte gefüllt.

Halbleere Speicher, teures Gas, drohende Engpässe: Ökonom Carsten Brzeski warnt vor einem Ausnahme-Winter. Bei klirrender Kälte könnte Deutschland erneut Gas fehlen – Verbraucher müssten zudem mit kräftig steigenden Preisen rechnen.

Angesichts historisch niedriger Gasspeicherstände hat ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski vor einer möglichen Gasmangellage in Deutschland gewarnt. Der Ökonom sagt t-online, die Speicher seien derzeit nur ungefähr zur Hälfte gefüllt. Bei einem normalen Winter seien keine Engpässe zu erwarten. "Aber wenn wir mehrere sehr kalte Monate hintereinander erleben, sieht die Situation anders aus. Bei einem außergewöhnlich kalten Winter könnten wir Probleme bekommen - bis hin zu einer Gasmangellage."

Brzeski fordert deshalb Vorsorge durch die Bundesregierung. Er sagte: "Der Bund sollte sehr gute Meteorologen in den Dienst stellen. Spaß beiseite. Die Regierung sollte definitiv vorbereitet sein." Konkret meint Brzeski: "Der Bund sollte jetzt prüfen, aus welchen Ländern zusätzlich LNG beschafft werden könnte - etwa aus den USA oder aus Norwegen.

Wenn man sich frühzeitig darum kümmert, zahlt man auch einen niedrigeren Preis, als wenn man plötzlich dringend zusätzliche Mengen braucht. Das ist schlicht Marktwirtschaft", so Brzeski. "Denkbar sind auch Alternativen, etwa zeitweise wieder stärker Kohle einzusetzen."

2,30 Euro für Sprit

Brzeski rechnet zudem mit steigenden Gaspreisen von rund 70 Euro je Megawattstunde. Verglichen mit dem Frühjahr sei das ein Plus von rund 30 Prozent. Er warnte vor einer Pleitewelle bei kleineren Versorgern. "Der Wendepunkt, den man langsam erkennen konnte, könnte sich vielleicht um ein halbes Jahr verschieben." Kleine Versorger hätten schon 2022 hohe Marktpreise bezahlen müssen, diese aber nicht sofort an ihre Kunden weitergeben können. Dieser Mechanismus könne im kommenden Herbst und Winter wieder eine Rolle spielen."

Beim Öl geht der ING-Ökonom im dritten Quartal von ungefähr 90 Dollar je Barrel aus. Für Autofahrer hätte das spürbare Folgen: "Dann reden wir beim Sprit schnell über mehr als 2,30 Euro." Brzeski rechnet noch zum Jahresende damit, dass etwa 15 Prozent weniger Schiffe die Straße von Hormus passieren als vor dem Krieg. Der Inflationsdruck bleibe dadurch länger bestehen, so der Volkswirt. "Ich gehe davon aus, dass wir in Deutschland bis zum Jahresende eine Inflationsrate von mehr als drei Prozent sehen werden. Die Inflationsrate im August könnte die Drei-Prozent-Marke knacken. Wenn nicht, dann spätestens im September."

Eine Verordnung sieht vor, dass die Gasspeicher am 1. November zu durchschnittlich 70 Prozent gefüllt sein sollen. Wenn das nicht klappt, würde unter Umständen der Staat Gas einkaufen und einspeichern lassen - wie schon 2022, im ersten Jahr des Ukraine-Kriegs. Das würde aber viel Geld kosten. Wegen des Iran-Kriegs mit der faktischen Blockade der Straße von Hormus sind die Gaspreise diesen Sommer ungewöhnlich hoch, weshalb Händler weniger Gas für den Verkauf im Winter einkaufen.

Quelle: ntv.de, sba

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