Wirtschaft

Verdacht auf fahrlässige Tötung Iberogast bringt Bayer in Bredouille

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Wird nicht ausreichend vor der Einnahme von Iberogast gewarnt?

(Foto: imago images / Uwe Steinert)

Jahrelang weigert sich Bayer, auf mögliche Leberschäden durch die Einnahme von Iberogast hinzuweisen. Dann stirbt eine Frau. Ihr Tod wird mit der Einnahme des Magenmittels in Zusammenhang gebracht. Monate später beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft mit der Materie.

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt einem Zeitungsbericht zufolge im Umfeld des Pharmakonzerns Bayer. Das Verfahren, das mit dem Magenmittel Iberogast zusammenhänge, soll sich noch gegen Unbekannt richten, berichtet das "Handelsblatt". Der Verdacht laute fahrlässige Tötung und Körperverletzung durch mangelnde Warnung vor der Einnahme von Iberogast.

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Bei Bayer war auf Anfrage von Dow Jones Newswire niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Dem "Handelsblatt" teilte der Konzern mit, von einem Ermittlungsverfahren keine Kenntnis zu haben. Die Staatsanwaltschaft wollte der Zeitung keine Stellungnahme abgeben. Für die Bayer-Aktie bewertet ein Marktteilnehmer die Entwicklung um Iberogast leicht negativ. "Vor allem ist das schlecht für das Sentiment, denn Bayer kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus", sagt ein Händler.

Hintergrund des aktuellen Falls soll der Zeitung zufolge die jahrelange Weigerung des Unternehmens sein, Warnhinweise vor möglichen Leberschäden in die Packungsbeilage und die ärztliche Fachinformation aufzunehmen. Erst als Mitte 2018 der Tod einer Frau an Leberversagen bekannt geworden sei, der mit der Einnahme von Iberogast in Zusammenhang gebracht werde, habe Bayer die Forderung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) umgesetzt.

Inzwischen wird vor dem Schöllkraut, das in dem Produkt enthalten ist, gewarnt: "Bei der Anwendung von Schöllkraut-haltigen Arzneimitteln sind Fälle von Leberschädigungen (…) bis hin zu arzneimittelbedingter Gelbsucht (…) sowie Fälle von Leberversagen aufgetreten." Patienten, die etwa eine bestehende Lebererkrankungen haben oder andere Arzneimittel einnehmen, die die Leber beeinträchtigen, werden zudem auf das Risiko einer Einnahme hingewiesen. Schwangere, Stillende und Kinder unter drei Jahren sollten Iberogast nicht zu sich nehmen.

115 Meldungen wegen Nebenwirkungen bekannt

Das BfArM habe bereits 2008 von der Herstellerfirma Steigerwald, die später von Bayer übernommen wurde, die Änderung der Warnhinweise verlangt. Steigerwald habe jedoch gegen den Bescheid des BfArM Widerspruch eingelegt, Bayer sei sogar vor Gericht gezogen. Dem "Handelsblatt" zufolge macht Bayer mit dem nicht verschreibungspflichtigen Iberogast einen jährlichen Umsatz von rund 120 Millionen Euro.

Dem BfArM liegen laut "Handelsblatt" seit 2008 mittlerweile 115 Meldungen von unerwünschten Nebenwirkungen vor, die sich auf Beeinträchtigungen der Leber beziehen. Bei den Fällen handele es sich um Verdachtsmeldungen, bei denen ein Ursachenzusammenhang nicht bewiesen sei.

Quelle: n-tv.de, fzö/DJ

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