Hohe Kosten belasten UnternehmenImmer mehr Insolvenzen in Deutschland

Die Bilanz ist desolat: "Im Januar haben so viele Unternehmen insolvenzbedingt ihre Pforten schließen müssen wie seit elf Jahren nicht mehr", heißt es bei der DIHK. Die Forderungen der Gläubiger gehen offenbar in die Milliarden.
Die Konjunkturflaute in Deutschland treibt die Zahl der Firmenpleiten in die Höhe. Im Januar haben die Amtsgerichte insgesamt 1919 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte. Das waren 4,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. "Im Januar haben so viele Unternehmen insolvenzbedingt ihre Pforten schließen müssen wie seit elf Jahren nicht mehr", erläuterte DIHK-Chefanalyst Volker Treier. Für viele Betriebe sei der Kostendruck inzwischen so groß, dass die finanziellen Reserven nicht mehr reichten.
Bei den von Destatis gemeldeten Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Anträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor.
Das Wirtschaftsforschungsinstitut IWH aus Halle wertet hingegen für seine Analysen die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Es erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen. Die Zahl der Firmenpleiten hat demnach hierzulande im ersten Quartal das höchste Niveau seit über 20 Jahren erreicht, wie das IWH jüngst mitteilte.
Die Forderungen der Gläubiger aus den im Januar gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte laut Destatis auf rund 3,1 Milliarden Euro. Im Januar 2025 hatten die Forderungen bei rund 5,3 Milliarden Euro gelegen. "Dieser Rückgang der Forderungen trotz steigender Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass im Januar 2026 weniger wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als im Januar 2025", erklärte Destatis.
Das Bruttoinlandsprodukt hatte im vierten Quartal 2025 um 0,3 Prozent zugelegt. Ein stärkerer Aufschwung, wie ihn viele Unternehmen herbeisehnen, zeichnet sich jedoch noch nicht ab. Aktuelle Indikatoren in der Industrie deuten laut dem Bundeswirtschaftsministerium darauf hin, dass sich die Wirtschaft im ersten Quartal nur sehr verhalten entwickelt haben dürfte - auch wegen der Auswirkungen des Nahost-Krieges und des damit zusammenhängenden Energiepreisschocks.
Schon vor dem Krieg waren laut DIHK-Konjunkturumfrage die Energiekosten für fast jedes zweite Unternehmen ein zentrales Geschäftsrisiko. "Alarmierend ist, dass sich die Belastungsspirale zuletzt beschleunigt hat", sagte Treier. Der Energiepreisschock und Lieferkettenstörungen trieben die Kosten weiter nach oben. Mit einer Entspannung sei vorerst nicht zu rechnen, sagte der Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Gerade deshalb brauche es jetzt entschlossenes wirtschaftspolitisches Handeln. Der aktuelle Beschluss des Koalitionsausschusses, die Energiesteuern auf Diesel und Benzin für zwei Monate zu senken, sei ein erster Schritt in die richtige Richtung.