Wirtschaft

Nächste Eskalations-Stufe In China schließen H&M-Filialen

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Globale Marken stehen vor dem Dilemma, ob sie Baumwolle aus der Region Xinjiang beziehen oder riskieren sollen, in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt boykottiert zu werden.

(Foto: picture alliance/dpa/HPIC)

Chinesische Staatsmedien und Prominente nehmen westliche Firmen wegen ihrer Kritik an Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren unter Beschuss. Der Modehändler H&M bekommt jetzt die nächste Eskalations-Stufe zu spüren: Einige Vermieter schließen aus Protest die Filialen.

In einigen Teilen des Landes haben chinesische Vermieter damit begonnen, H&M-Filialen zu schließen. Der Schritt ist eine weitere Reaktion auf die Kritik westlicher Unternehmen an Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren und andere Minderheiten in China.

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Mindestens sechs Läden wurden nach Informationen von "Bloomberg" in den kleineren Städten Urumqi, Yinchuan, Changchun und Lianyungang von den Eigentümern geschlossen, wie jeweils die Betreiber von Einkaufszentren in den Gebieten mitteilten. Lokale Medien berichteten demnach über weitere Schließungen. Auf Bildern sei zu sehen, wie Werbetafeln entfernt werden. Einige Betreiber der Einkaufszentren sagten, die Entscheidung zur Schließung sei von den Vermietern getroffen worden, weil H&M sich China gegenüber respektlos verhalten habe. Es sei unklar, wie lange die Schließungen andauern werden.

Der schwedische Modehändler läuft Gefahr, ein Opfer von Pekings erhöhter Sensibilität gegenüber Kritik von westlichen Regierungen und Unternehmen zu werden: Immerhin machte China 5,2 Prozent des Gesamtumsatzes von H&M im Jahr 2020 aus und ist damit der viertgrößte Markt nach Deutschland, den USA und Großbritannien. Offenbar seien die geschlossenen Filialen auch aus den Suchergebnissen von Apple Maps und Baidu verschwunden, berichtet "Bloomberg" weiter.

In der chinesischen Provinz Xinjiang liegt eines der weltweit wichtigsten Baumwollproduktionsgebiete, das auch viele westliche Unternehmen beliefert - hier gab es Berichte auch über Zwangsarbeit in der Uiguren-Region. In einer Erklärung von H&M hieß es, das Unternehmen sei "zutiefst besorgt über Berichte von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Medien, die Vorwürfe von Zwangsarbeit und Diskriminierung von ethnoreligiösen Minderheiten aufwerfen." Inzwischen scheint die Erklärung von der Website des schwedischen Einzelhändlers verschwunden zu sein. Ein separater Link, der dieselbe Haltung zu Baumwolle aus Xinjiang vertritt, ist noch online.

Eine Million Uiguren in Haftlagern eingesperrt

Globale Marken stehen vor dem Dilemma, ob sie Baumwolle aus der Region Xinjiang beziehen oder riskieren sollen, in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt boykottiert zu werden. "Das chinesische Volk wird nicht zulassen, dass einige Ausländer Chinas Reis essen, während sie seine Schalen zertrümmern", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Der chinesische Markt stehe ausländischen Unternehmen offen, erklärte sie. "Aber wir wehren uns gegen böswillige Angriffe auf China, die auf Gerüchten und Lügen basieren und Chinas Interessen schaden."

Menschenrechtsorganisationen zufolge sind in Xinjiang mindestens eine Million Uiguren und andere Muslime in Hunderten Haftlagern eingesperrt. Dort werden sie den Angaben zufolge zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen und teilweise auch misshandelt. Peking weist die Vorwürfe zurück und spricht von Ausbildungs- und Arbeitsprogrammen, die Extremismus in der Regionen bekämpfen sollen.

Quelle: ntv.de, jki

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