Wirtschaft
Die Betriebe konnten sich die Auftragsbücher weniger stark füllen als zuletzt.
Die Betriebe konnten sich die Auftragsbücher weniger stark füllen als zuletzt.(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)
Donnerstag, 07. Juni 2018

Längste Flaute seit 2008: Industrie erhält erneut weniger Bestellungen

Erneut haben sich die Orderbücher der deutschen Industriebetriebe langsamer gefüllt. Und der Rückgang ist deutlich. Die Unsicherheiten sind einfach zu groß. Die Sorgen wachsen.

Die deutsche Industrie steckt in der längsten Auftragsflaute seit der weltweiten Finanzkrise 2008. Im April sammelte sie bereits den vierten Monat in Folge weniger Bestellungen ein. Die Zahl der neuen Aufträge sei im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt mit. Hauptgründe sind die schwache Nachfrage aus Deutschland und der Eurozone. "Inwieweit hierbei Verunsicherungen insbesondere aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld eine Rolle spielen, ist schwer einzuschätzen", erklärte das Wirtschaftsministerium.

Damit entwickelte sich der Auftragseingang auch zu Beginn des zweiten Quartals weiterhin enttäuschend. Im März war die Zahl der neuen Aufträge in den Industriebetrieben außerdem stärker zurückgegangen als bisher gedacht. Das Bundesamt revidierte den Rückgang von 0,9 auf 1,1 Prozent.

Analysten wurden von den April-Daten überrascht. Sie hatten eine Erholung erwartet und waren von einem Anstieg beim Auftragseingang um 0,8 Prozent ausgegangen. Damit sind die Ordereingänge in den Industriebetrieben der größten europäischen Volkswirtschaft seit Beginn des Jahres durchgehend gefallen. Experten hatten zuvor bereits von einer allgemein enttäuschenden konjunkturellen Entwicklung in den Monaten Januar bis März gesprochen.

Im April entwickelte sich die Nachfrage aus dem Inland deutlich schwächer. Hier meldete das Bundesamt einen Auftragsrückgang im Monatsvergleich um 4,8 Prozent. Die Auslandsaufträge fielen um 0,8 Prozent. Dabei verringerten sich die Auftragseingänge aus der Eurozone um 9,9 Prozent, während sich die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland hingegen um 5,4 Prozent erhöhten.

DIHK besorgt - Ministerium beschwichtigt

Die Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sprach von einem schlechten Zeichen. Der Aufschwung steht merklich auf dem Prüfstand, sagte DIHK-Ökonomin Sophia Krietenbrink . "Insbesondere die handelspolitischen Konflikte tragen erhebliche Verunsicherung von außen rein." Die Erwartungen an das Exportgeschäft trübten sich in der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage deutlich ein.

Dagegen sieht das Wirtschaftsministerium keinen Grund zur Panik. Der Auftragsbestand der Unternehmen sei mit einer Reichweite von 5,6 Monaten sehr hoch sei. Zudem stabilisierte sich das Geschäftsklima im Mai, wie die monatliche Umfrage des Ifo-Instituts unter Tausenden Managern ergab.

Ob sich das Konjunkturbild nun grundlegend geändert hat, dürfte sich wohl erst nach den Mai-Daten sagen lassen, meinte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. "Der globale Handelszwist dürfte dann aber zunehmend negativ wirken", betonte er.

Die deutsche Wirtschaft hatte bereits im ersten Quartal merklich an Schwung verloren. Ihr Wachstum halbierte sich auf Quartalssicht auf 0,3 Prozent. Waren dafür auch Sondereffekte wie Streiks und viele Arbeitsausfälle durch die Grippewelle mitverantwortlich, deutet die Auftragsentwicklung nicht auf einen kräftige Belebung hin. "Damit dürfte die deutsche Wirtschaft auch im zweiten Quartal nur moderat wachsen", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Quelle: n-tv.de