Wirtschaft
Mittwoch, 14. Februar 2018

Burger aus Buffalo-Würmern: "Insektenburger schmecken hervorragend"

Ein Start-up will ab April "Insekten-Burger" auf den deutschen Markt bringen. Dabei bestehen die Frikadellen strenggenommen gar nicht aus Krabbeltieren, sondern aus Würmern. Als Fleischersatz sind sie trotzdem lecker, erzählt Gründer Baris Özel im Interview.

Hallo Herr Özel, Sie führen nun schon seit einigen Jahren die "Bugfoundation" und verkaufen "Bux Burger". Wie läuft das Geschäft denn so?

Baris Özel: Sehr gut. Auf der Internationalen Grünen Woche, der weltweit bedeutendsten Verbrauchermesse für Ernährung und Landwirtschaft, wurden uns über 5.000 Insektenburger in fünf Tagen regelrecht aus der Hand gerissen.

Woher kennen Sie sich - und wie ist die Idee für das Produkt entstanden?

Baris Özel und Max Krämer wollen den ersten deutschen Insektenburger auf den Markt bringen.
Baris Özel und Max Krämer wollen den ersten deutschen Insektenburger auf den Markt bringen.

Max Krämer und ich sind seit über 18 Jahren beste Freunde und langjährige Geschäftspartner. Was während einer gemeinsamen Weltreise und einem abenteuerlichen Essen in Südostasien begann, entwickelte sich zu unserem mehrfach EU-geförderten Unternehmen.

Können Sie Ihr Start-up-Unternehmen bitte kurz vorstellen?

Bei unserem Produkt handelt es sich um einen tiefgefrorenen, aus Buffalowurm bestehenden Burgerpatty. Es verfügt über einen Geschmack und eine Textur, die einem konventionellen Fleischpatty sehr ähnlich ist.

Buffalowürmer sind Larven des Getreideschimmelkäfers. Das klingt nicht so lecker. Weshalb gerade der?

Der Buffalowurm erwies sich im langwierigen Entwicklungsprozess als besonders schmackhaft. Und:
Für 30 Prozent der Weltbevölkerung gehört der Verzehr von Insekten bereits zur Ernährung. In der westlichen Welt hingegen ist die schmackhafte und nachhaltige Alternative zu konventionellen Tierprodukten bislang wenig verbreitet. Das zu ändern, haben wir uns mit der Bugfoundation zum Ziel gesetzt.

Und wo kann ich das Produkt kaufen?

Deutschlands ersten Insektenburger gibt es ab dem 3.  April in ausgewählten Supermärkten und Restaurants. Mit dem Tiefkühlprodukt zeigen wir, welches Potenzial in Lebensmitteln aus Insekten steckt. Seit 2015 kann man unseren Burger schon in einigen Restaurants in Belgien und den Niederlanden kosten.

Wie reagiert die Kundschaft? Begeistert - oder doch eher mit leichter Schnappatmung?

Insekten als Lebensmittel

Erst seit Anfang Januar 2018 gilt in der EU die neue "Novel Food"-Richtlinie. Darin finden sich nun zum ersten Mal auch Insekten als Lebensmittel. Die dürfen auf den Markt gelangen, wenn sie "gesundheitlich bewertet und zugelassen wurden", wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf seiner Webseite schreibt. Zuvor war der Verkauf von Insekten nicht erlaubt.

Ist die anfängliche Hemmung überwunden, überzeugt der hervorragende Geschmack des Insektenburgers. Wir freuen uns über die Neugier der Verbraucher und die Forderung an den Einzelhandel qualitativ hochwertige, nachhaltige Lebensmittel anzubieten.

Im Netz heißt es: "Der Buffalowurm findet in der Aquaristik und Vogelzucht Verwendung, gerne auch als Angelköder." Warum soll ich so etwas essen?

Weil es eine gesunde und schmackhafte Wahl ist. Und: Die "Bugfoundation" kreiert als erstes deutsches Unternehmen Lebensmittel aus Insekten.

Ist der Wurmburger besser als In-vitro-Fleisch, das künstlich im Labor hergestellt wird?

In naher Zukunft sehen wir ganz klar Insekten - und nicht In-vitro gezüchtetes Fleisch auf den Tellern der Welt. Wir denken, für den Konsumenten ist diese Form der Nahrungsbereitstellung noch zu abstrakt - und bezweifeln, dass In-vitro-Fleisch in naher Zukunft marktfähig wird. Das liegt nur bedingt am Kostenfaktor des Fleisches. Die Transparenz dieser Züchtungsmethode ist derzeit nur bedingt gewährleistet. Bei Lebensmitteln auf Insektenbasis sind wir uns als Vorreiter in der Branche hingegen diesbezüglich sicher.

Die Buffalowürmer werden von der Firma Protifarm gezüchtet. Haben die Tiere auch Krankheiten? Und wie lassen sich die verhindern?

Mit Protifarm arbeiten wir mit einem integren Züchter zusammen, der Professionalität und höchste Qualitätsstandards im Rahmen der Insektenzucht gewährleistet. Es gibt wie in der konventionellen Landwirtschaft Auflagen, die im Rahmen der Insektenzucht eingehalten werden müssen. Wir halten es für selbstverständlich, dass unsere Insekten immer den Qualitätsanforderungen entsprechen.

Wenn Sie auf das Jahr 2011 zurückblicken: Was würden Sie heute besser machen?

Von der Idee des Insektenburgers bis zum heutigen Tag haben uns einige Hindernisse begleitet. Wir bringen etwas völlig Neues auf den Markt - und haben die Möglichkeit, die Ernährungsweise eines gesamten Kontinents zu ändern. Da braucht man einen gesunden Schlaf und einen klaren Kopf. Die Energie und die Motivation kommen da von selbst. Die Hindernisse auf unserem Weg haben uns eher angespornt - und am Ende stärker gemacht.

Das Interview führte Matthias Lauerer

Bilderserie

Quelle: n-tv.de