Wirtschaft

Vorstandschef unter Druck Investoren wollen Thyssenkrupp zerschlagen

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Für ihn könnte die Hauptversammlung von Thyssenkrupp ungemütlich werden: Konzernchef Heinrich Hiesinger.

(Foto: picture alliance / Rolf Vennenbe)

In der Investorengesellschaft von Thyssenkrupp rumort es vor der Hauptversammlung: Die aufgeblasene Struktur des Konzerns sei für Anleger nicht attraktiv. Forderungen reichen von Umbau bis Zerschlagung.

Vor der Hauptversammlung von Thyssenkrupp wird die Kritik am Kurs von Vorstandschef Heinrich Hiesinger immer lauter. Forderungen von Finanzinvestor Cevian, mit inzwischen 18 Prozent zweitgrößter Einzelaktionär des Dax-Konzerns, nach einer Zerschlagung der komplexen Konglomeratsstrukturen werden auch von Aktionärsschützern geteilt.

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"Wir können nicht alles unterschreiben, was Cevian fordert, aber an einigen Argumenten ist sicher etwas dran", sagte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er könnte sich durchaus vorstellen, dass es sinnvoll wäre, wenn Thyssenkrupp Teile seines Industriegeschäfts an die Börse brächte.

Aus Sicht von Hechtfischer ist es mit der Abspaltung des Stahlgeschäfts, die noch in diesem Jahr umgesetzt werden soll, nicht getan. Wenn das Joint Venture mit Tata erst liefe, dann wäre zwar ein großer Schritt getan. Aber einen Masterplan für das Industriegütergeschäft sieht auch der DSW-Vertreter nicht.

Cevian-Chef Lars Förberg bemängelt seit geraumer Zeit die "unterdurchschnittliche Leistung" des Stahl- und Industriekonzerns. Ursache dafür seien die mangelnden Synergien und die viel zu komplexe Struktur des Konglomerats, sagte er in verschiedenen Interviews. Deshalb müsse Hiesinger Thyssenkrupp zerschlagen, zitiert ihn nun die Börsen-Zeitung: "Ob das am besten durch Joint Ventures, Spin-offs oder den Börsengang einer Tochter zu erreichen ist, müssen Aufsichtsrat und Vorstand gemeinsam entscheiden."

Sparten mit unterschiedlichem Erfolg

Vor dem Aktionärstreffen hatte sich in dieser Woche auch der Fondsmanager des Investors Union Investment, Ingo Speich, in einem Interview mit der WAZ zu Wort gemeldet und einen "weitreichenden Konzernumbau" gefordert. Thyssenkrupp sei ein "Gemischtwarenladen", mit dem viele Investoren wenig anfangen könnten, sagte Speich. Es müsse nun eine Diskussion "ohne Tabus" geben, forderte er.

Hiesinger arbeitet seit etlichen Jahren an der Sanierung des Konzerns, der neben dem marktabhängigen und damit schwankenden Stahlgeschäft auch noch als Autozulieferer, U-Boot-Hersteller sowie Anlagen- und Aufzugsbauer unterwegs ist. Während die Elevator-Sparte gute Margen erwirtschaftet, läuft es im Anlagenbau derzeit schlecht.

Hiesinger ist es gelungen, die Milliardenverschuldung zurückzuführen, das verlustträchtige Stahlgeschäft in Amerika loszuwerden und den Konzern in Richtung Technologieunternehmen umzubauen. Thyssenkrupp sei zwar in die richtige Richtung unterwegs, sagt Hechtfischer. Dass es gelungen sei, im Geschäftsjahr 2017 mit dem Effizienzprogramm Impact Jahre nach dem Start noch 930 Millionen Euro einzusparen, zeige deutlich, wie ineffizient früher gewirtschaftet wurde.

Quelle: n-tv.de, fhe/DJ/dpa

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