Wirtschaft

Expertengremium warntIran-Krieg könnte Lebensmittelpreise steigen lassen

13.03.2026, 10:29 Uhr
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Die Eskalation im Nahen Osten könnte den Supermarkt-Besuch hierzulande mittelfristig teurer machen. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Der Nahe Osten ist auch ein wichtiger Knotenpunkt für Düngemittel. Somit könnte sich der Iran-Krieg auch im Supermarkt bemerkbar machen: Experten erwarten, dass Lebensmittel auch hierzulande spürbar teurer werden. Von frühzeitigen Maßnahmen wie einem Preisdeckel raten sie jedoch ab.

Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche warnen vor erheblichen Auswirkungen durch den Nahost-Krieg auf Deutschland. In Europa belasteten die höheren Strompreise Haushalte und Unternehmen gleichermaßen, hieß es in einem Kurzgutachten für die CDU-Politikerin. "Zudem drohen steigende Düngemittelpreise mittelfristig die Kosten für Lebensmittel nach oben zu treiben, denn die Region ist ein wichtiger Knotenpunkt für die globalen Düngemitteltransporte." Auch könnten internationale Lieferketten in anderen Bereichen gestört werden.

Der Wissenschaftliche Beraterkreis um die marktliberalen Ökonomen Veronika Grimm, Justus Haucap, Stefan Kolev und Volker Wieland empfiehlt, rechtzeitig Vorbereitungen zu treffen. Kurzfristiger Aktionismus sei aber nicht nötig. "Eingriffe wie Preisdeckel, Tankrabatt oder Übergewinn-Besteuerung sollte man erstmal vermeiden", sagte Haucap. Dies werde nur Anpassungseffekte - also etwa das Sparen von Energie - verhindern.

Grimm kritisierte den Verzicht auf Lieferverträge mit sehr langen Laufzeiten aufgrund von Klimaschutzzielen. Dadurch sei man den täglich schwanken Marktpreisen "ziemlich ungeschützt ausgesetzt". "Das kann zu einer Herausforderung werden", warnte die Expertin. Haucap zufolge sollte darüber nachgedacht werden, "ob nicht doch eine stärkere Förderung in Deutschland sinnvoll erscheint". Deutschland verfüge über große Schiefergas-Vorräte. Auch sei das Fracking ökologisch sicherer geworden. Die Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen würde sinken. "Dies würde auch Emissionen reduzieren", sagte Haucap.

Regime Change bietet wirtschaftliche Chancen

Die Ökonomen betonten, die Regierung sollte eine Strategie zur Befüllung der Gasspeicher entwickeln, sollte es Versorgungsengpässe geben. Sie fordern außerdem, den europäischen Emissionshandel nicht zu schwächen. Er macht fossile Energieträger mit der Zeit teurer. Dies sei für eine effiziente Verfolgung der Klimaziele notwendig.

Die fünf Experten fordern zudem Reformen von Berlin und Brüssel. So könnte etwa die geplante Senkung der Körperschaftsteuer vorzogen werden, sagte Kolev. Er wies auch darauf hin, dass sich bei einem Regimewechsel im Iran "immense wirtschaftliche Chancen für die deutsche Wirtschaft ergeben" könnten. Das Land sei seit Jahren von internationalen Lieferketten abgeschnitten und habe enormen Investitionsbedarf.

Kritisch ist derzeit vor allem, dass die Straße von Hormus gesperrt ist. Jeweils 20 Prozent der globalen Öl- und Gaslieferungen gehen in der Regel durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman. Wieland zufolge könnte die Inflationsrate in der Euro-Zone wegen der stark gestiegenen Energiepreise von aktuell zwei auf etwa 3,5 Prozent steigen. Zwei Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank um insgesamt 0,5 Prozentpunkte seien in diesem Jahr "durchaus plausibel". Dies würde das Wachstum in Deutschland dämpfen, aber keine Rezession auslösen.

Quelle: ntv.de, spl/rts

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