Hardware statt HypeJohn Ternus - Apple-Eigengewächs mit Steve-Jobs-Philosophie

Apple wurde groß, weil sich das Unternehmen in der Ära Steve Jobs nicht für neue Technologien als Selbstzweck interessierte, sondern für deren Nutzen für die Kunden. Mit dem designierten neuen Chef John Ternus kehrt der Tech-Riese nun zu dieser Philosophie zurück.
Der künftige Apple-Chef John Ternus ist ein Mann für das Produkt, nicht für den Hype. Während Konkurrenten wie Microsoft und Google mit Künstlicher Intelligenz (KI) um sich werfen, bleibt der designierte Nachfolger von Tim Cook auf dem Chefsessel von Apple ein pragmatischer Hardware-Purist.
Seine Maxime lautet: Technologie ist nur ein Mittel, um gute Produkte zu schaffen. "Wir denken nie darüber nach, eine Technologie auf den Markt zu bringen", sagte der 50-Jährige kürzlich in einem Interview. "Wir denken immer darüber nach, wie wir Technologie nutzen können, um fantastische Produkte zu liefern."
Ternus' Fokus auf das Produkt macht ihn zu einem Bewahrer der Apple-Tradition in einer Zeit, in der der iPhone-Hersteller seinen Platz als wertvollstes Unternehmen der Welt an den Chip-Konzern Nvidia verloren hat. Die verspätete Einführung des überarbeiteten Sprachassistenten Siri und die Abhängigkeit von Google bei der zugrundeliegenden KI haben Analysten an der Strategie des Technologiekonzerns mit Sitz im kalifornischen Cupertino zweifeln lassen.
Wie hält es Apple mit der KI?
Ternus ist ein Apple-Eigengewächs, das seit 25 Jahren im Unternehmen ist und intern hohes Ansehen genießt. Seine Philosophie erinnert an Gründer Steve Jobs: Das Kundenerlebnis steht über der reinen Technologie. Ternus wird als detailversessen und perfektionistisch beschrieben. Er verantwortete bereits Erfolge wie das iPad und die AirPods.
Seine größte Bewährungsprobe bestand er jedoch, als er die Umstellung der Mac-Computer von Intel-Chips auf Apples eigene Prozessoren leitete. Der mutige Schritt beendete eine jahrelange Abhängigkeit und führte zu einem Leistungssprung, der die Verkäufe von Apple wieder ankurbelte. "Es war fast so, als hätten sich die Gesetze der Physik geändert", sagte Ternus damals.
Nun muss er beweisen, dass er mit dieser produktzentrierten Strategie auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz bestehen kann, in dem Konkurrenten wie Samsung und OpenAI ihre Chance wittern.
"Die Frage ist, ob er den Appetit für die Art von mutigen, gelegentlich unbequemen Entscheidungen hat, die die Definition einer neuen Plattform erfordert", sagte Francisco Jeronimo vom Analysehaus IDC. "Großartige Hardware zu bauen, ist ein klar definiertes Problem. Eine KI-Plattform aufzubauen, die Entwickler und Unternehmen wirklich annehmen, ist eine völlig andere Herausforderung."