Wirtschaft

Dividende gekürzt K+S gibt Weltmarktführerschaft auf

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Monte Kali ist eine riesige Abraumhalde des Konzerns in Hessen.

(Foto: imago/Schöning)

Der Konzern K+S erwirtschaftet jeden dritten Euro im amerikanischen Geschäft. Doch davon will sich der Konzern nun trennen. Mit dem Deal sollen zwei Drittel der Schulden abbezahlt werden. Der einstige Branchenprimus konzentriert sich künftig auf sein Europa-Geschäft.

K+S zieht die Reißleine: Der Salz- und Düngemittelhersteller will sein Salzgeschäft in Nord- und Südamerika komplett verkaufen. Mit einer entsprechenden Vereinbarung werde noch in diesem Jahr gerechnet, teilte der weltgrößte Salzproduzent mit. Mit dem Schritt sei eine umfassende Neuausrichtung und Restrukturierung verbunden. K+S will sich dann noch auf das Geschäft mit mineralischen Düngemitteln und Düngemittelspezialitäten konzentrieren.

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Mit der Umsetzung aller Maßnahmen soll ein Abbau der Verschuldung in den nächsten zwei Jahren um voraussichtlich deutlich mehr als zwei Milliarden Euro möglich werden. "Nach intensiver Prüfung ist das die beste Option, um die zwingend erforderliche Entschuldung des Unternehmens zu erreichen", sagte Vorstandschef Burkhard Lohr.

Kein Anteilsverkauf bei Mine in Kanada

K+S ächzt unter einem hohen Schuldenberg - Ende 2019 lagen die Nettofinanzverbindlichkeiten bei 3,1 Milliarden Euro - das Unternehmen kam beim Schuldenabbau in den vergangenen Jahren aber nicht wie erhofft voran. Die Ratingagentur Standard & Poor`s benotet die Kreditwürdigkeit der Firma nur auf "Ramsch"-Niveau. Zu der hohen Verschuldung trug vor allem die neue Kali-Mine Bethune in Kanada bei - mit rund drei Milliarden Euro ist sie die größte Investition in der Geschichte von K+S.

Ende vergangenen Jahres hatte der Vorstand überraschend den Verkauf einer Beteiligung an der Mine oder eine Kooperation in Betracht gezogen, um die Schulden zu senken. Doch das wurde nun ausgeschlossen: "Ein Anteilsverkauf am neuen Kaliwerk Bethune in Kanada ist nicht geplant." Dafür geht es nun dem amerikanischen Salzgeschäft an den Kragen, das ebenfalls auf den Prüfstand gestellt worden war und für mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes steht.

K+S war mit der Übernahme des größten südamerikanischen Salzproduzenten Sociedad Punta de Lobos 2006 und schließlich der US-Firma Morton Salt 2009 zum weltweit führenden Salzproduzenten aufgestiegen. Übrig soll nun nur noch das viel kleinere Salzgeschäft in Europa bleiben. Der geplante Verkauf hat auch einen Stellenstreichungen zur Folge, der vor allem die Konzernzentrale in Kassel treffen wird. Dort arbeiten etwas mehr als 1000 der weltweit knapp 15.000 Mitarbeiter.

Trübe Aussichten für 2020

Im vergangenen Geschäftsjahr bekam K+S die Abschwächung des Kalimarktes sowie den milden Winter in Europa zu spüren. Das operative Ergebnis (Ebitda) stieg zwar um sechs Prozent auf 640 Millionen Euro. Der Umsatz verharrte jedoch bei knapp über vier Milliarden Euro. Unter dem Strich sank der Überschuss um neun Prozent auf knapp 78 Millionen Euro. Die Aktionären sollen eine zehn Cent niedrigere Dividende von 15 Cent je Aktie erhalten.

Und die Aussichten für dieses Jahr sind wenig rosig: K+S rechnet mit einem Ergebnisrückgang auf 500 bis 620 Millionen Euro. Dabei sorgt auch die Coronavirus-Krise für Unsicherheit. Zudem belasten niedrigere Preise und ein schwaches Auftausalzgeschäft im ersten Quartal. An der Börse kam die Neuausrichtung zunächst gut an: K+S Aktien legten mehr als elf Prozent zu und waren damit größter Gewinner im Nebenwertindex MDax.

Quelle: ntv.de, jwu/rts