Maler in Afghanistan gebuchtKI scheitert als Chefin schon bei der Handwerker-Suche

Kann eine künstliche Intelligenz ganz allein ein Geschäft führen? Das Startup Andon Labs hat es gewagt: KI-Agentin "Luna" bekam 100.000 Dollar Budget und volle Freiheit. Das Experiment zeigt vor allem die Grenzen der Technik auf.
Das in San Francisco ansässige Startup Andon Labs will mit einem Experiment beweisen: Ein KI-Agent ist in der Lage, allein ein echtes Geschäft zu führen. Alles, was die Gründer Lukas Petersson und Axel Backlund im Vorfeld getan haben, war für drei Jahre ein Ladengeschäft zu mieten und die KI-Agentin Luna mit einer Firmenkreditkarte und einem Internetzugang auszustatten. Die KI wurde mit Anthropics Sprachmodell Claude Sonnet 4.6 erstellt.
Im Gespräch mit dem "Business Insider" sagte Petersson, Luna habe, abgesehen von einem Budget in Höhe von 100.000 Dollar und der Maßgabe, Gewinn zu erzielen, keine anderen Vorgaben bekommen. Das Ergebnis: Ein gewöhnlicher Boutique-Laden mit dem Namen "Andon Market", der Bücher, Drucke, Kerzen und Spiele verkauft.
Die KI hat darüber hinaus auch ein Einrichtungskonzept entwickelt und Personal gesucht. Dafür schaltete Luna dem Bericht zufolge Stellenanzeigen auf Indeed und führte Telefoninterviews. Auch Handwerker, die den Laden streichen sollten, kontaktierte die KI.
Vielversprechende Bewerber bleiben außen vor
Ganz reibungslos ist das allerdings nicht gelaufen. Wie das Portal "NBC News" berichtet, habe Luna versucht, einen Maler in Afghanistan zu engagieren. Die Vermutung: Die KI-Agentin könnte Schwierigkeiten gehabt haben, auf einer Online-Plattform das richtige Land auszuwählen. Auch soll es bei der Abwickelung des Internetanschlusses zu Problemen gekommen sein. Luna habe zwar einen Vertrag mit AT&T abgeschlossen. Sie habe aber versäumt, dafür zu sorgen, dass auch ein Mitarbeiter am verabredeten Termin vor Ort ist.
Die KI hat außerdem Bewerbern, die den Laden hätten überwachen sollen, bereits nach einem kurzen Telefonat eine Stelle angeboten. Außerdem habe Luna sich nicht immer sofort als KI zu erkennen gegeben. Ihr Argument: Die Tatsache, dass der Laden KI-gesteuert sei, würde gute Bewerber verwirren und wahrscheinlich abschrecken, heißt es in einem Blogbeitrag.
Dem Startup zufolge sind so einige vielversprechende Bewerber außen vor geblieben. So habe Luna etwa Informatikstudenten, die sich für das Experiment interessiert haben, wegen zu wenig Erfahrung im Einzelhandel abgelehnt. Einen Tag nach der Eröffnung brachte der KI-Agent laut Petersson außerdem den Dienstplan durcheinander und musste Mitarbeiter fragen, ob sie spontan einspringen können.
Obwohl Andon Labs Luna das Ziel gesetzt hat, Gewinn zu erzielen, rechnet Petersson nicht damit, dass der Laden Geld verdient. "Das Ziel ist es, zu bewerten, wie gut aktuelle KI-Modelle sind", zitiert der "Business Insider" Petersson. Er hoffe viel mehr, der Öffentlichkeit mit dem Experiment zu zeigen, wohin sich KI entwickelt.